
Bild: Thomas Schüler Architekten Stadtplaner, Düsseldorf
Der Ausgangspunkt: Eine Fläche mit Geschichte und Lasten
Im Norden Eschweilers, zwischen der Autobahn A4 und dem Wohnquartier Dreiers Gärten, lagen rund 13 Hektar viele Jahre weitgehend brach. Frühere Betriebe wie Fuchs Schmierstoffe (ehemals Wenzel & Weidmann) und Valspar Industries (ehemals Merckens Lackchemie) hatten das Areal geprägt – und hinterlassen: Altlasteneinträge im Bodenschutz- und Altlastenkataster, ein komplexes Eigentümergefüge mit 26 Beteiligten, ungeklärte Planrechtssituation, Lärmbelastung durch die A4 und die Jülicher Straße. 2016 wandte sich die Stadt Eschweiler an NRW.URBAN. Die Frage war schlicht: Was lässt sich hier machen?

Das hochkarätig besetzte Preisgericht hat den Entwurf von Thomas Schüler (Mitte) und seinem Büro zum Sieger des Realisierungswettbewerbs gekürt. Darüber freuen sich auch Investor Esat Turan von der EurAsia Finance GmbH (2. von links) und Bürgermeister Patrick Nowicki (3. von rechts). Foto: Stadt Eschweiler/Michael Grobusch
Was Bau.Land.Partner leistet: Aufklärung statt Spekulation
NRW.URBAN übernahm die Standortbearbeitung im Rahmen des Landesinstruments Bau.Land.Partner. Das bedeutet: keine oberflächlichen Potenzialskizzen, sondern eine systematische Standortinventur. Bodengutachten, Verkehrserschließung, Planungsrecht, Eigentümerinteressen, Immissionslage, technische Infrastruktur, soziale Infrastruktur – alles dokumentiert, bewertet, in Beziehung gesetzt.
Das Ergebnis war eine umfassende Standorteinschätzung von 2020. Sie legte auf 132.086 Quadratmetern eine Flächenbilanz vor: 52 Prozent Wohnbaufläche, 18 Prozent Gewerbebaufläche, Grünflächen, Erschließung, Kleingärten. Zum Thema Wirtschaftlichkeit bewertete das Team von NRW.URBAN zwei Varianten – eine Entwicklung durch die Stadt, oder durch Dritte. Auch die zentrale Frage konnte unmissverständlich beantwortet werden: Das Areal ist entwickelbar. Wohnnutzung ist möglich – differenziert nach Lage, Altlastsituation und Lärmbelastung.
Parallel moderierte Bau.Land.Partner den Interessenausgleich zwischen Kommune und Eigentümern. Das Nutzungskonzept, das im Februar 2020 im Konsens verabschiedet wurde, war das Ergebnis dieses komplexen Prozesses im Konsens, nicht das Ergebnis eines einzelnen Akteurs.
”Im Schulterschluss mit NRW.URBAN konnte ein attraktives innerstädtisches Areal wieder in Fokus gerückt werden. Hierbei wurde geschickt und kompetent mit einer komplexen Eigentümersituation umgegangen und anschließend planungsrechtliche Perspektiven geschaffen. Die nunmehr angestrebte Entwicklung verbindet ökonomische Interessen mit einer verantwortungsvollen Bodenpolitik.
René SchulzWirtschaftsförderer und Liegenschaftsamtsleiter, Stadt Eschweiler
Die Weichenstellungen danach
Die Standorteinschätzung im Rahmen von Bau.Land.Partner legte den Grundstein für alles, was danach folgte. Investor Esat Turan erwarb ab 2022 schrittweise Haupteigentümerschaft über das gesamte Areal. 2024 wurde der Flächennutzungsplan angepasst und Planungsrecht wurde geschaffen.
Im September 2025 startete der städtebauliche Wettbewerb für den östlichen Teil der Nordcity – rund zehn Hektar ab der Friedensstraße bis zur Preyerstraße. Acht Entwürfe wurden eingereicht und bewertet.
Im März 2026 steht der Sieger fest: Thomas Schüler Architekten Stadtplaner aus Düsseldorf, gemeinsam mit Arbos Landscape GmbH aus Hamburg. Ihr Entwurf überzeugte mit einem terrassenförmigen Retentionspark als zentralem Grüngürtel, einer durchdachten Mischung aus Mehrfamilien- und Einfamilienhäusern, einem Gewerberiegel zur A4 hin und konsequent integrierten Maßnahmen zur Klimawandelanpassung.
Was das Projekt zeigt
Altlasten schließen Wohnnutzung nicht per se aus – sie erfordern eine differenzierte Betrachtung nach Lage und Nutzungstyp. „Nördlich Dreiers Gärten“ Eschweiler ist daher kein Ausnahmefall, sondern ein gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn die Grundlagenarbeit sorgfältig erledigt wird. Auch ein komplexes Eigentümergefüge ist kein Entwicklungshindernis, wenn frühzeitig moderiert wird. Eine Flächenentwicklung mit entsprechendem städtebaulichen Wettbewerb ist nur möglich, wenn die Rahmenbedingungen und die Eigentumsverhältnisse vorher geordnet sind. Genau dabei hilft das Landesprogramm Go4Bauland mit dem Instrument Bau.Land.Partner.
Weiterführende Informationen: Alle Wettbewerbsentwürfe sind unter www.post-welters.de/projekte/wettbewerbsmanagement einsehbar.
Interesse geweckt? Aktuell läuft ein Aufrufverfahren zur Beteiligung an der NRW-Initiative Go4Bauland 2026 mit Fokus auf vorgenannte Standorte. Die Bewerbungsphase endet am 31. März 2026.
Wissenswertes
Mit Bau.Land.Partner unterstützt das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen Kommunen dabei, unter- oder ungenutzte Flächen wieder zu „Bauflächen“ zu machen, Nachfolgenutzungen zu prüfen und Standorte zu aktivieren. Dabei spielt die Einbindung und Mitwirkung der Eigentümerinnen und Eigentümer eine zentrale Rolle. Das dialogorientierte Verfahren von Bau.Land.Partner wird maßgeblich aus Landesmitteln getragen und durchgeführt durch die Projektleiterinnen und -leitern von NRW.URBAN.
Unser Auftrag
Hier ist die NRW.URBAN GmbH & Co. KG tätig für das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.

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