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BeitragJournal 2/22

Für die Menschen mit den Menschen planen – Hybriden Beteiligungsformaten gehört die Zukunft

By 5. Oktober 2022November 30th, 2022Keine Kommentare
In der Pandemie hat NRW.URBAN digitale und hybride Formate entwickelt, um Bürgerinnen und Bürger weiter beteiligen zu können.
In der Pandemie hat NRW.URBAN digitale und hybride Formate entwickelt, um Bürgerinnen und Bürger weiter beteiligen zu können.

Ein wichtiger Aspekt im Rahmen von Städtebauprojekten und Flächenentwicklungen ist die Beteiligung von den Menschen, die am Ort des Geschehens leben. Planungen überprüfen, bewerten und mitgestalten zu lassen, sorgt in der Umsetzung für präzise auf die Bedürfnisse einer Stadtgesellschaft angepasste Angebote und eine hohe Akzeptanz. Erster Schritt in diesem Prozess: ein breites Interesse an dem Prozess generieren. Das Team von NRW.URBAN hat langjährige Erfahrung in der Planung und Durchführung von Bürgerbeteiligungen, passt Formate auf die jeweiligen Rahmenbedingungen an und hat in den Zeiten der Pandemie zahlreiche digitale Tools eingeführt. Im Zuge ihres DNA-Prozesses hat die Landesgesellschaft ein Kompetenzhub „Beteiligung“ ins Leben gerufen. In dieses Netzwerk bringen Mitarbeitende aller Professionen ihre Erfahrungen, Ideen und Kenntnisse ein, um in Zukunft weitere innovative Formate anbieten zu können.

Camping-Bulli wurde zur Litfasssäule

In Krefeld, am östlichen Ortsrand von Fischeln, plant die Stadt, ein rund elf Hektar großes Areal zu einem attraktiven Wohn- und Bildungsstandort zu entwickeln und startete dazu mit Unterstützung von NRW.URBAN ein umfassendes Bürgerbeteiligungsverfahren. Einer, der sich immer wieder bei Bürgerbeteiligungen für NRW.URBAN dem Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern stellt, Veranstaltungen moderiert und hochkomplexe Zusammenhänge erklärt, ist Jens Kohnen. Der Architekt und Stadtplaner, im Bereich „Konzepte | Entwicklung“ bei NRW.URBAN tätig, kombiniert dabei Erfahrung mit Spontaneität. „Um möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu erreichen, haben wir auf ein hybrides Format gesetzt. Wir haben im Internet über mehrere Wochen eine interaktive Karte mit einem Miro-Board verknüpft. Dort konnten Interessierte direkt auf die Planfläche Ideen eintragen und sich im System mit anderen Ideengebern austauschen. Darüber hinaus hat die Stadt einen Online-Fragebogen geschaltet. Zusätzlich zum Online-Verfahren haben wir einen Bürgerrundgang organisiert.“ Und weil es an der Fläche selbst kaum Möglichkeiten gab, Plakate zu hängen oder Informationen auszulegen, hat Jens Kohnen kurzerhand seinen privaten Camping-Bulli zur Litfasssäule umfunktioniert. Vom spontan gestalteten NRW.URBAN Infomobil starteten die Bürgerinnen und Bürger dann in vier Gruppen, um die Fläche zu erkunden.

In der Pandemie hat NRW.URBAN digitale und hybride Formate entwickelt, um Bürgerinnen und Bürger weiter beteiligen zu können.

Effektiver und produktiver Rundgang

Peter Driesch, Mitarbeiter im Projektmanagement bei NRW.URBAN, ergänzt: „Diese Vorgehensweise war sehr effektiv und produktiv. An den vier Infoinseln sind gute Gespräche geführt worden, die Bürgerinnen und Bürger haben spannende Aspekte eingebracht.“ Peter Driesch ist davon überzeigt, das frühzeitige, niederschwellige Beteiligungsformate von großer Bedeutung für die erfolgreiche Umsetzung eines Projekts sind. „Manche Menschen stehen neuen Baugebieten kritisch gegenüber, andere weniger“, ergänzt Philipp Kuhlenkötter, Raumplaner im Team „Konzepte | Entwicklung“, „wichtig ist es, die Hinweise und Ideen der Menschen vor Ort aufzunehmen. Gleichzeitig gilt es, die unterschiedlichen Interessenlagen auszuloten und Lösungen zu entwickeln, die bei Widersprüchen vermitteln, sozial gerecht und nachhaltig sind.“

In der Pandemie hat NRW.URBAN digitale und hybride Formate entwickelt, um Bürgerinnen und Bürger weiter beteiligen zu können.
Fotos: Frank Vinken
In der Pandemie hat NRW.URBAN digitale und hybride Formate entwickelt, um Bürgerinnen und Bürger weiter beteiligen zu können.

Mut zu Angeboten im Internet

Jennifer Matthäus und Anna Zwilling aus dem Team „Konzepte | Entwicklung“ haben großes Interesse, das NRW.URBAN Portfolio in Sachen Beteiligungsformate in Zukunft noch zu verfeinern. Sie engagieren sich im Kompetenz-Hub „Beteiligungen“ und waren maßgeblich an der Entwicklung der Formate für Fischeln beteiligt. Wir mussten gute Argumente bringen, um die Stadt Krefeld davon zu überzeugen, das digitale Miro-Board für alle Interessierten zu öffnen“, berichtet Anna Zwilling. Sie freut sich, dass die Kommune schließlich den Mut hatte, den Nutzerinnen und Nutzern alle Freiheiten zu gewähren. Bis zu 20 Kommentare erhielten manche Einträge auf der digitalen Karte. „Und alle waren respektvoll und bezogen sich auf die Sache.“ Anna Zwillings Engagement im Hub „Beteiligungen“ ergebe sich aus ihrer bereits im Studium gewachsenen Überzeugung, Stadtplanung als Dienstleitung an den Menschen zu sehen. „Ich möchte mit den Menschen planen, nicht von oben herab Entscheidungen treffen.“

Auch Jennifer Matthäus ist es ein wichtiges Anliegen, die „Lebenswirklichkeit der Menschen“ zu berücksichtigen, und sich nicht nur in einer „fachlichen Blase“ zu bewegen. „Ich habe gespürt, dass es nicht ausreicht, sich lediglich auf die formelle Beteiligung zu stützen“, sagt sie. „Die Menschen müssen mitbestimmen, wie die Zukunft ihrer Stadt aussehen soll.“

In der Pandemie hat NRW.URBAN digitale und hybride Formate entwickelt, um Bürgerinnen und Bürger weiter beteiligen zu können.

Im Vorfeld produktiv unterstützen

Offenes Miro-Board, Streaming auf YouTube, Videokonferenzen – diese neuen Formate machen es Bürgerinnen und Bürgern möglich, sich von zu Hause aus einzuschalten. Für Julia Wallutat, die Hausjuristin von NRW.URBAN, bedeutete das, sich einmal wieder in ein neues Gebiet einzuarbeiten. „Es gibt für diese Formate ja nicht nur inhaltlich und technisch im Vorfeld eine Menge zu organisieren. Die datenschutzkonforme Gestaltung erfordert zahlreiche Abstimmungen mit den verschiedenen Teams“, berichtet sie. Genau das sei es, was ihre Arbeit bei NRW.URBAN so spannend mache. „Ich betreue kein juristisches Spezialgebiet, sondern muss mich immer wieder in neue Themen einarbeiten.“

INFO

Projektskizze Krefeld

Im Krefelder Stadtteil Fischeln sollen in unmittelbarer Nähe zur Haltstelle Grundend der K-Bahn – einer zwischen Düsseldorf und Krefeld verkehrenden Straßenbahn – auf einer ehemaligen Erweiterungsfläche eines Friedhofs ein Wohngebiet und ein Bildungsstandort entstehen. Auf elf Hektar sind Mehrfamilienhäuser und ein Schulkomplex geplant. NRW.URBAN begleitet das Projekt im Rahmen der Kooperativen Baulandentwicklung. Für ein qualitätvolles städtebauliches Konzept wird ein Wettbewerbsverfahren sorgen. In die von den Planungsbüros zu konzipierenden Entwürfe werden Impulse, Ideen und Wünsche, die auf den Ortskenntnissen der Bevölkerung basieren, einfließen. Deshalb kommt den Verfahren der Bürgerbeteiligung hier besondere Bedeutung zu. NRW.URBAN setzt dabei auf hybride Angebote. Einen digitalen Fragenkatalog und eine interaktive Karte im Internet ergänzte im März ein Bürgerrundgang durch das Planungsgebiet. Folgende Themenschwerpunkte und Fragestellungen wurden ausführlich verhandelt:

Δ Attraktivität: Was stärkt den Stadtteil? Welche Angebote im neuen Wohngebiet ergänzen und bereichern Fischeln und stärken die Identität der Menschen vor Ort?

Δ Demografie: Wie sollen Angebote für Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren aussehen?

Δ Mobilität: Wo machen Fuß- und Radwegeverbindungen Sinn? Welche innovativen Mobilitätsangebote werden gewünscht? Welche Rolle spielt dabei der Haltepunkt Grundend?

Δ Klima: Wie kann es gelingen, das neue Quartier an den freien Landschaftsraum anzubinden und im Quartier für ein gutes Klima zu sorgen?

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