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In Deutschland lebt ein Großteil der Menschen in Städten. Trotzdem sind sie selten den Herausforderungen des globalen Klimawandels gewachsen. Große Niederschlagsereignisse verursachen Wasserfluten und erzeugen Sachschäden in Millionen Höhe, Hitzewellen sorgen für Trockenstress. Gleichzeitig sind sie selbst ein Treiber der Erderwärmung und des damit einhergehenden Klimawandels.
Wie können wir das Leben in Städten und Gemeinden nachhaltiger, innovativer und vor allem klimaschonender gestalten? Mit verschiedenen Projekten in der Regionalentwicklung leistet NRW.URBAN einen Beitrag zur klimaneutralen Städteplanung und Realisierung in Nordrhein-Westfalen.

Intelligenter Umgang durch wassersensible Quartiersplanung mit Robert Broesi (MUST)
Klimagerechte Räume für die Zukunft schaffen ist ein Leitkonzept des Raumplanungsbüros MUST. Robert Broesi, Städteplaner und Geschäftsführer von MUST in Köln, erklärt im Interview die Perspektiven, die wassersensible Quartiersplanung für uns haben können. Intelligenter Umgang mit Wasser in Städten ist hinsichtlich der klimatischen Veränderungen nicht nur sinnvoll, sondern essenziell. Um während extremer Regenereignisse Sachgüter zu schützen und während Trockenperioden Pflanzen und Bäche vital zu halten, müssen intelligente Wasserkonzepte in die Quartiersplanung mit einbezogen werden. Doch nicht nur der Umwelt zuliebe sollte Wasser ein Entwurfselement der zukünftigen Stadtgestaltung sein, auch der Mensch profitiert von seiner beruhigenden und kühlenden Wirkung. Konzepte wie die Schwammstadt mit integrierten Systemen des Risikomanagements und der Wassernutzung ermöglichen eine zukunftsträchtige Stadtgestaltung.
OSTPARK: Das Schwammstadt-Prinzip in Bochum
In Bochum entsteht im „OSTPARK“ ein neues Wohnquartier, nach dem Schwammstadtprinzip. Die innovative grün-blaue Infrastruktur bietet damit nicht nur 700 neue Wohneinheiten, sondern trägt auch nachhaltig zur Klimaanpassung bei und erhöht die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner. Weitläufige Sickerflächen sorgen für den nachhaltigen Ablauf von Regenwasser und tragen zum grünen Landschaftsbild bei. Anfallendes Wasser auf verdichteten Flächen fließt nicht wie üblich in die Kanalisation, sondern wird über Rinnen im Bordstein in den zentralen Wasserlauf des Quartiers geleitet. Dieser schlängelt sich über 2,2 km durch das Neubaugebiet und trägt nachhaltig zum Mikroklima und zur Landschaftsgestaltung bei. Die biologische Aufbereitung des Wassers im Sammelplatz ermöglicht eine Rückführung in den Quelltopf im Quartierszentrum und schließt damit den Wasserkreislauf. Im Fall eines Starkregenereignis wird überschüssig anfallendes Wasser durch eine Rohrleitung unter der Autobahn in Richtung des neuen Landschaftssees abgeführt. Dieser nur ca. 40 cm tiefe, künstlich angelegte See bietet damit zusätzlich neue Naherholungsflächen direkt am Kleingartenverein Laer. Neben dem umfassenden Regenwassermanagement und gestalterischen Elementen bieten die Freiflächen und Wasserkörper ideale Möglichkeiten das Quartierklima zu verbessern.


CO2-arme Energieversorgung im Neuen Soester Norden
Auf einer 35 ha großen Fläche entsteht im „Neuen Soester Norden“ ein Neubaugebiet. Zukünftig sollen hier 600 Wohneinheiten mit Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern sowie Geschosswohnungen entstehen. Das Ziel der Stadt Soest „Klimaneutralität für 2030“ basiert auf der zentralen CO2-armen Wärmeversorgung. Fundiert auf Geothermie wird die konstante Wärmeenergie der oberen Erdkruste zum Heizen im Winter und Kühlen im Sommer genutzt. Damit stellt sie eine nachhaltige und umweltschonende Alternative zu Kernkraft und Fernwärme dar. Weitere Elemente des Klimakonzeptes umfassen Flachdachbegrünung, Photovoltaik-Anlagen und Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge.
Bürgewald – Ort der Zukunft
Aus dem ehemaligen Dorf Morschenich-Alt wird im Zuge der neuen Erschließung ein Ort der Zukunft. Fortan geführt unter dem neuen Namen „Bürgewald“ wird das rheinische Dorf zukunftstauglich entwickelt. Die ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes wurden im Rahmen des Braunkohletagebaus nach Morschenich-Neu umgesiedelt. Mit dem Kohleausstieg 2016 entschied RWE jedoch, von der Abbaggerung abzusehen.
Die anstehende Revitalisierung des alten Dorfes bietet nun die Chance ein nachaltiges, gemeinschaftliches und zukunftsorientiertes Konzept zu verfolgen. Anspruch ist es die historischen Strukturen des Dorfes beizubehalten und Handlungsfelder wie Energie, Mobilität und Verkehr mit grüner und blauer Infrastruktur klimaneutral zu gestalten.


FSI: FUTURE SITE InWEST – Industriestandort von Morgen
Ein neues Industrieareal für flächenintensive Großvorhaben entsteht auf der 240 Hektar großen ehemaligen LEP-Fläche in Geilenkirchen-Lindern. Neben innovativen Konzepten für Mobilität, Entwässerung und Energieversorgung sollen für FUTURE SITE InWEST ebenfalls unmittelbar angrenzende Grünflächen als Ausgleichsflächen für Versieglung geschaffen werden. Darüber hinaus sind bereits 25% des Areals als öffentliche Grünflächen mit Versickerungsmulden und Wasserflächen geplant. Dieser neu entstehende klimaneutrale Industriestandort soll ein Leitbild für die Industrie von Morgen sein und gleichzeitig den Strukturwandel im rheinischen Revier unterstützen. Durch die Auswahl spezifischer internationaler Unternehmen soll die wirtschaftliche Entwicklung des Landes vorangetrieben werden.
FFB – Forschungsfertigung Batteriezelle in Münster
Die neue Batterieforschungsfabrik „Forschungsfertigung Batteriezelle“(FFB) im Süden von Münster wird ein zentrales Element in der Energiewende. Die zunehmende Bedeutung der Energieversorgung in zukunftsweisenden Bereichen wie Automotive, Energiewirtschaft und Robotik untermalen die Notwendigkeit nachhaltiger Lösungen. Das Projekt in Münster setzt genau hier an und soll langfristig zur energetischen Unabhängigkeit Deutschlands und Europas beitragen. Zukünftige Nutzende der Fabrik sind unter anderem die Frauenhofer-Gesellschaft für angewandte Forschung e.V. und Münster Electrochemical Energy Technology (MEET) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Mit ihrer Arbeit tragen sie zur zukunftsstarken Forschung und Entwicklung klimaneutraler Energiespeicherung bei.


Nachhaltiges Wohnen für Jung und Alt in Meerbusch-Kalverdonk
Ein Wohnquartier mit nachhaltiger Ausrichtung entsteht auf der Fläche am Ortsrand von Osterath in Meerbusch. Das Motto ist „Nachhaltig und grün für Jung und Alt“. Im Fokus des Projekts steht das Zusammenleben aller Altersgruppen. Dabei geht es nicht nur um bezahlbares Wohnen, auch die Bereiche Arbeit, Freizeit und Erholung sollen im städtebaulichen Konzept berücksichtigt werden. Alles unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Mit Hilfe von hohen Grünanteilen und durchdachten Wohnkonzepten soll hier klimaresilientes Leben ermöglicht werden.
Bochum: Velorouten als nachhaltige Alternative zum Straßenverkehr
Die Stadt Bochum beabsichtigt die Radweginfrastruktur im Stadtgebiet erheblich auszubauen. Ein zentrales Element sind die sogenannten Velorouten, die als Teil des Radverkehrsnetzes ins Leben gerufen worden sind und ein möglichst durchgängiges Netz für den Radverkehr ermöglichen sollen. Sie sollen zukünftig abseits der Kfz-Hauptachsen verlaufen und dabei für alle Radfahrenden sicher und komfortabel zu befahren sein. Die neuen Routen ergänzen das bestehende Radwegnetz und schließen an wichtige bereits bestehende Verbindungen an, sodass zentrale Wegverbindungen zum Arbeitsplatz, zur Schule sowie für den Hol- und Bringverkehr mit Kindern ermöglicht werden können.
