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FeatureFeature 1/2021Konzepte | Entwicklung

Kommunikation im digitalen Wandel

By 19. März 2021November 5th, 2021Keine Kommentare
Größte Aufmerksamkeit hinter den Kulissen: Das Kommunikationsteam von NRW.URBAN hatte Chat und Wortmeldungen immer im Blick.

Bauland-Dialog Nordrhein-Westfalen 2021

Über 600 Anmeldungen insgesamt, rund 420 kontinuierlich Teilnehmende aus ganz Nordrhein-Westfalen – die Zahlen zum Bauland-Dialog Nordrhein-Westfalen 2021 sprechen für sich: Das Interesse der Kommunen, sich über die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten und pragmatische Wege aus der kommunalen Praxis zur Baulandentwicklung zu informieren und auszutauschen, ist ungebrochen. 2020 konnte die Bau.Land.Leben-Werkstatt aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. 2021 musste das Organisationsteam von NRW.URBAN auf ein komplett digitales Format umschalten. Das bot trotz kurzer Vorbereitungszeit eine anregende, kurzweilige und professionell konzipierte Tagung.

Foren, Cafeteria und Speed-Consulting

Nach dem Eröffnungspanel mit Sprecherinnen und Sprechern der einladenden Institutionen – Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Henk Brockmeyer und Ludger Kloidt, den Gesch.ftsführern der fusionierten Gesellschaften BEG NRW und NRW.URBAN, Dr. Roland Arnz, Gesch.ftsführer des AAV Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung, Dr. Jörg Hopfe, Bereichsleiter der Förderberatung bei der NRW.BANK sowie Stefan Raetz, Vorsitzender des Forums Baulandmanagement – konnten sich die Teilnehmenden in drei Foren, einer digitalen Cafeteria sowie im Rahmen von individuellen Speed-Consultings auf den neuesten Stand in Sachen Baulandentwicklung bringen. Die Chat-Funktion des Tagungstools Zoom lud zum Mitdiskutieren ein und wurde rege genutzt. Zudem eröffnete eine digitale Pinnwand die Möglichkeit, virtuell Anregungen, Fragen und Ideen einzubringen.

Neuigkeiten aus dem Kabinett

Im Eröffnungspanel konnte Ministerin Ina Scharrenbach einen aktuellen Kabinettsbeschluss verkünden, der Kommunen die Entwicklung von Brachflächen mit wenig Aussicht auf Rentierlichkeit ermöglicht. Das neue Instrument Bauland.Partner + ebnet Kommunen den Weg zum risikofreien Zwischenerwerb solcher Flächen. Die Ministerin machte alle Teilnehmenden zudem noch einmal auf die Bewerbungsfrist zum Landeswettbewerb „Zukunft Stadtraum“ am 13. April 2021 aufmerksam. Für die Förderung von mutigen und innovativen Konzepten, die dem öffentlichen Straßenraum als Begegnungs- und natürlichen Freiraum Rechnung tragen, lobt das Land NRW insgesamt ein Preisgeld in Höhe von 275.000 Euro aus.

Das besondere Interesse des Landes, innovative Mobilitäts- und Quartierskonzepte nach vorne zu bringen, betonte auch Jörg Hopfe von der NRW.BANK. „Wir werden nach Corona eine andere Welt haben und sind darauf vorbereitet“, sagte er in der Begrüßungsrunde. Neben besonderen Förderungen für Schulen und Kindertagesstätten betonte er die Attraktivität des Förderproduktes Kommunal Invest/Kommunal Invest Plus, die durch Negativzinsen aktuell sehr attraktive langfristige Investitionsfinanzierung für Kommunen in Nordrhein-Westfalen.

Die Moderatorin des Bauland-Dialogs Dr. Wiebke Borgers im Gespräch mit NRW.URBAN-Geschäftsführer Ludger Kloidt

Wohnen – ein Recht für alle

Unter dem Titel „Mehr Wohnraum gerne, aber nicht hier“ startete das erste Forum. Zentrale Frage: „Wie lassen sich Baulandentwicklung, Nachverdichtung mit Freiraumschonung und durchgrünter Stadt vereinen?“ Jörg Möltgen, Bürgermeister in Havixbeck, berichtete von Planungen zu einem indikatorenbasierten Vergabeverfahren für Neubaugrundstücke in seiner Gemeinde. Nicht wer am meisten bezahlt, erhält in Zukunft in Havixbeck den Zuschlag, sondern diejenigen, die sich der Gemeinde verbunden fühlen und sich zum Beispiel ehrenamtlich engagieren. Martin Linne, Dezernent für Stadtentwicklung und Umwelt in Duisburg, gab Einblicke in den über 13-jährigen Entwicklungsprozess des Projekts „6 Seen Wedau – Wohnen am Wasser“. Auf 90 Hektar ehemaliger Bahnflächen entsteht unter anderem ein Wohngebiet mit rund 3.000 neuen Wohneinheiten – es ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Nordrhein-Westfalen. Nach Anfangsschwierigkeiten und einem Neustart im Jahr 2015 gemeinsam mit der BEG hat das Projekt sich vom Abstellgleis nun auf die Hochgeschwindigkeitsstrecke begeben.

Es wird immer wichtiger, den kommunalen Zugriff auf potenzielle Baulandflächen voranzutreiben.

Thomas LennertzMinisterium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen

Entlastung in der Bauleitplanung

Wie der Aufwand in der vorbereitenden Bauleitplanung erheblich reduziert werden kann und wie „Selbsthilfe-Strukturen“ der öffentlichen Hand zu Erfolgsmodellen werden, erfuhren die Kongressteilnehmenden im zweiten Forum mit dem Titel: „Die Prozesse sind komplex, und wir sind bereits an der Kapazitätsgrenze!“ Sonja Schemmann, Bürgermeisterin der Gemeinde Nordwalde, berichtete, wie NRW.URBAN mit Expertise auf die Bedarfe kleinerer Kommunen eingeht. Die Unterstützung bei notwendigen Änderungen des Flächennutzungsplanes sowie dem Entwurf des Bebauungsplans für das Neubaugebiet „Windmühlenfeld“ brachte der Gemeinde dringend benötigte Entlastung.

Claudia Warnecke, Technische Beigeordnete der Stadt Paderborn, muss sich in ihrer Heimat mit anderen Dimensionen auseinandersetzen. Auf rund 54 Hektar Fläche der ehemaligen Barker Barracks soll das Zukunftsquartier Paderborn entstehen, eine Zukunft, an der alle Paderbornerinnen und Paderborner aktiv „mitbauen“ können. Über Bürgergespräche und ein Memorandum bis zur transparenten Roadmap wird die Öffentlichkeit stets mitgenommen.

Baulandpotenzial ist vorhanden, nur nicht verfügbar

Das dritte Forum widmete sich der Frage: „Wie gehen wir mit unklarer Wirtschaftlichkeit um oder erreichen die Mitwirkung von Grundstückseigentümern?“ Walter Kiß, Bürgermeister der Gemeinde Kreuztal, berichtete von seinem einstigen „Ladenhüter“, einem 7,6 Hektar großen Gelände eines ehemaligen Röhrenwerks. Inzwischen hat das Projekt den ersten Regionale-Stern ergattert. Unter dem Motto „holz.stahl.digital – modernes Wohnen und Arbeiten im Ferndorftal“ plant die Gemeinde ein attraktives Quartier mit Angeboten für modernes Wohnen, Arbeiten, Begegnung und Kultur, das den vielseitigen Bedürfnissen unterschiedlicher Alters- und Gesellschaftsschichten gerecht werden soll.

Dirk Glaser, Bürgermeister der Stadt Hattingen, schilderte die Schwierigkeiten der Stadt, Investoren für das Gelände einer stillgelegten Maschinenbaufabrik zu finden. Jetzt will die Stadt das 100.000 Quadratmeter große Grundstück selbst kaufen. Seit den 1980er-Jahren hat die Stadt am südlichen Rand des Ruhrgebiets auf dem Areal der ehemaligen Henrichshütte bereits viel erreicht: In direkter Nachbarschaft zum LWL-Industriemuseum und nur wenige Minuten vom Hattinger Stadtzentrum entfernt konnte die Stadt mit Unterstützung von NRW.URBAN bereits zahlreiche kleine bis mittelständische Betriebe ansiedeln.

Zwischenfazit

Bevor zum Abschluss der Tagung die digitale Cafeteria ihre Türen noch einmal für alle Teilnehmenden öffnete, zog Thomas Lennertz, Abteilungsleiter für Stadt- und Flächenentwicklung im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, ein Zwischenfazit. „Es wird immer wichtiger, den kommunalen Zugriff auf potenzielle Baulandflächen voranzutreiben“, sagte er. Mit dem neuen Instrument Bauland.Partner + sei der Werkzeugkasten für die Kommunen nun passend für jede Herausforderung gefüllt.

Bauland.Partner+

Die Beispiele aus den Foren und zahlreiche Beiträge im Chat zeigten, wie groß der Bedarf der Kommunen an zusätzlichem Know-how und personellen Ressourcen ist, wenn es um die Revitalisierung von brachliegenden Flächen geht. Das Programm Bauland.Partner hat sich in solchen Fällen inzwischen landesweit in 87 Kommunen und an 272 Standorten bewährt. „Allerdings gibt es immer wieder Fälle, wo Bauland.Partner bei der Aktivierung von Flächen an seine Grenzen stößt“, sagte Julia Johrden, Referentin im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW. Sie stellte das neue Instrument Bauland.Partner + vor. Es greift auch dort, wo eine rentierliche Veräußerung von Flächen nicht zu erwarten ist. In solchen Fällen finanziert das Land NRW Untersuchungen zu Lärm, Boden und Luft, berechnet Wirtschaftlichkeit und Entwicklungsszenarien, bis eine realistische Entwicklungsperspektive identifiziert ist. Erst dann kommen die Kommunen für den Zwischenerwerb ins Spiel. „Voraussetzung für die Teilnahme an Bauland.Partner + ist, dass Kommunen Flächen für nachhaltige Stadtentwicklungsprojekte priorisieren“, ergänzt Henk Brockmeyer, Gesch.ftsführer BEG NRW und NRW.URBAN. Kleinere Baulücken oder Schrottimmobilien stünden bei Bauland.Partner + nicht im Fokus.

Ansprechpartner

Klaus-Dieter Büttner
BEG

Tel.: 0201 74766.19

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