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BeitragJournal 1/23Konzepte | Entwicklung

Stadt der kurzen Wege: Troisdorf schafft Bauland an der Schiene

By 17. April 2023Mai 30th, 2023Keine Kommentare
Baustelle des Carre verde in Troisdorf von oben

Beate Schlich steht im großen Wohnzimmer ihrer Staffelgeschosswohnung im „Carré verde“ in Troisdorf und strahlt. „Bei diesem Wetter zeigt sich, wie hell es in meiner Wohnung ist“, sagt sie und blinzelt in die Sonne. Noch befindet sich das neue Heim im Rohbau. Aber schon im Sommer wird Beate Schlich umziehen. Aus einem Altbau-Eigenheim in diese moderne Wohnung mit Aufzug, barrierefreien Bädern und großem Balkon. Im Quartier „Carré verde“ in Troisdorf entstehen auf einer ehemaligen Brachfläche der Deutschen Bahn AG insgesamt 80 Wohnungen in unterschiedlichen Größen – in direkter Nähe zur Bahn. Mit Unterstützung der Initiative „Bauland an der Schiene“ des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen fand die Stadt Troisdorf einen ortsansässigen Investor, der hier einen Mix aus 56 Prozent geförderten Wohnungen und 44 Prozent Eigentumswohnungen baut – innenstadtnah und mit guter Verkehrsanbindung.

Traumwohnung mit bester Perspektive

Die Wohnungen verteilen sich auf sieben Mehrfamilienhäuser. Ursprünglich waren im Haus, in dem Beate Schlich nun das Staffelgeschoss bezieht, acht Wohneinheiten geplant. „Als ich auf den Investor Eric Schütz zuging, waren bis auf wenige kleinere Wohnungen bereits alle Wohnungen vermarktet. Im gemeinsamen Gespräch mit dem Architekten Joachim Kneutgen entstand die Idee, zwei Staffelgeschosswohnungen zusammenzulegen – und so habe ich nun meine Traumwohnung mit bester Perspektive gefunden“, erzählt Beate Schlich. Zirka 90 Quadratmeter, zwei Bäder, ein Home-Office, ein lichtdurchfluteter Wohnraum mit offener Küche und ein großes Badezimmer – das sei purer Luxus, so die Diplom-Verwaltungswirtin. Lange Zeit hat sie eine Wohnung im elterlichen Dreifamilienhaus bewohnt, zuletzt den pflegebedürftigen Vater mitversorgt. „Das hat mir noch einmal die Augen geöffnet. Mein Elternhaus ist nicht das Haus, in dem ich alt werden möchte“, sagt die heute 56-Jährige.

Und so machte sie sich auf die Suche nach einer Immobilie, die folgende Kriterien erfüllen sollte: barrierefrei, hell, energetisch auf dem neuesten Stand, kein pflegeintensiver Garten, aber dennoch ein schöner Balkon, mit guter Verkehrsanbindung und Nahversorgung.

All diese Kriterien erfüllt die Wohnung im „Carré verde“. „Das Zusammenlegen von zwei Wohnungen hat zudem den Vorteil, dass ich die Verbindung jederzeit zurückbauen lassen kann“, sagt Beate Schlich. „Sollte es einmal notwendig sein, könnte sogar eine Pflegekraft direkt nebenan einziehen.“ Noch ist diese Situation glücklicherweise in weiter Ferne. Beate Schlich wird wie gewohnt bei trockenem Wetter mit dem Fahrrad über einen gut ausgebauten Radweg entlang der Bahnlinie zur Arbeit ins rund fünf Kilometer entfernte Siegburg fahren, wenn sie nicht in ihrem neuen Homeoffice mit Blick auf die Kirche, in der sie getauft wurde, arbeitet. Oder ihr Lieblingscafé um die Ecke besucht. Auch die Bahn ist eine gute Alternative für die Wege zur Arbeit oder zu Freunden: Das „Carré verde“ liegt in direkter Nähe zum Bahnhof, zwei S-Bahnlinien verbinden Troisdorf mit der Kreisstadt und auch mit dem ICE-Bahnhof Siegburg/ Bonn mit Anschluss an den Fernverkehr.

Beate Schlich in ihrer zukünftigen Wohnung
Baustelle des Carré verde in Troisdorf
Fotos: Christoph Kniel
Architekt Joachim Kneutgen, Wohnungsbesitzerin Beate Schlich und Investor Eric Schütz (v.l.n.r.) beim Baustellengespräch – der Rohbau steht, im Sommer möchte Beate Schlich einziehen.
Architekt Joachim Kneutgen, Wohnungsbesitzerin Beate Schlich und Investor Eric Schütz (v.l.n.r.) beim Baustellengespräch – der Rohbau steht, im Sommer möchte Beate Schlich einziehen.

Wir planen hier durchaus in einem Spannungsfeld, auf das man mit besonderen Ideen eingehen muss.

Joachim KneutgenArchitekt

Stadt der kurzen Wege

Einst galt Troisdorf als unbedeutende kleine Schwester von Siegburg, auch was das Preisgefüge für Immobilien anging. Das hat sich inzwischen geändert. „Die Menschen haben erkannt, dass Troisdorf verkehrstechnisch sehr gut liegt, die Stadt hat sich von einer Arbeiterstadt zu einem Standort gewandelt, an dem viele mittelständische Unternehmen hochwertige Arbeitsplätze in der IT Branche und kunststoffverarbeitenden Industrie geschaffen haben“, sagt Investor Eric Schütz. Das zieht Neubürgerinnen und Neubürger nach Troisdorf. Mit rund 77.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Troisdorf inzwischen die bevölkerungsreichste Stadt im Rhein-Sieg-Kreis. Viele Menschen, die in Köln oder Bonn arbeiten, leben in der Stadt, die mit dem Motto „eine Familienangelegenheit“ wirbt. Weil Wohnungen bezahlbar, die Wege kurz sind und die Atmosphäre entspannt ist.

Dichte? Es kommt drauf an, wie man es macht …

Die schnellen Vermarktungserfolge zeigen zudem, dass auch eine ungewöhnlich dicht bebaute Citylage in direkter Nähe zu einer Bahnstrecke die Menschen nicht abschreckt, sondern sogar anzieht. „Die Frage ist eben, wie man es macht“, sagt Beate Schlich. Architekt Joachim Kneutgen hat mit seinem Büro den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen. „Wir planen hier durchaus in einem Spannungsfeld, auf das man mit besonderen Ideen eingehen muss“, sagt er. So sind die Wohnungen hauptsächlich zu einem begrünten Innenhof ausgerichtet, der als Gemeinschaftsfläche ein verbindendes Element bildet.

Zur Bahnlinie bilden drei Gebäude mit einer dreigeschossigen Riegelbebauung und einer außergewöhnlichen Fassadenbegrünung Wohnraum und gleichzeitig Schallschutz, vier weitere Gebäude mit Staffelgeschossen reihen sich um den Innenhof. Eine Dämmung aus nachhaltiger Mineralwolle in Kombination mit einer Luft-Wasser- Wärmepumpe und Photovoltaik-Anlagen auf den begrünten Dächern sichern moderne Baustandards und einen hohen KfW55- Energiestandard. „80 Wohneinheiten auf dieser eher kleinen Fläche sind durchaus ambitioniert“, sagt Joachim Kneutgen. Umso wichtiger, dass die Grünanlage sowie die Dach- und Fassadenbegrünung für ein gutes Mikroklima sorgen. Ungewöhnlich auch der geringe Stellplatzschlüssel: Mit lediglich 80 Autoparkplätzen, dafür aber 136 Fahrrad-Abstellplätzen setzen die Planerinnen und Planer ein eindeutiges Zeichen.

Beate Schlich im Gespräch mit dem NRW.URBAN Journal Team
Visualisierung des Carré verde in Troisdorf von Architekturbüro Kneutgen

Die Menschen haben erkannt, dass Troisdorf verkehrstechnisch sehr gut liegt, die Stadt hat sich von einer Arbeiterstadt zu einem Standort mit hochwertigen Arbeitsplätzen gewandelt.

Eric SchützInvestor
Beate Schlich mit dem Rad unterwegs in Troisdorf
Beate Schlich erledigt viele Wege mit dem Rad – der Bahnhof befindet sich in direkter Nähe. Ihr neuer Wohnort ist perfekt angebunden.

Drei Fragen an…

„Carré verde“-Investor Eric Schütz

Für die Umsetzung der vorangegangenen Rahmenplanung haben Sie als ortsansässiger Immobilienentwickler das Verfahren und den Grunderwerb gemeinsam mit der Stadt sowie BEG und NRW.URBAN gestemmt. Was hat Sie an dem Projekt gereizt?

Wir sind seit 2002 am Markt und vor allem im Rhein-Sieg-Kreis, vornehmlich in meiner Heimatstadt Troisdorf, engagiert, aber auch in den Metropolen Bonn und Köln. Die Immobilienpreisentwicklung im Rheinland mit den Großstädten Köln, Bonn und Düsseldorf führt zu einer wachsenden Suburbanisierung. Auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum schauen sich die Menschen zunehmend im Umland um. Troisdorf ist ein prosperierender Investmentstandort.

Haben Sie bereits Projekte in ähnlicher Dimension umgesetzt?

In Troisdorf haben wir mit einigen Bauvorhaben Zeichen gesetzt: Die Kombination aus öffentlich gefördertem und frei finanziertem Wohnungsbau ist unserer Ansicht nach wichtig, um lebendige Quartiere zu schaffen. Einerseits garantiert das stets eine gute Qualität für die geförderten Wohnungen, andererseits ist nur ein ausgewogener Klientel-Mix zukunftsfähig und vermeidet Ghettoisierungen. Nachhaltig bauen wir aus Überzeugung: In Alfter haben wir zum Beispiel im vergangenen Jahr auf dem Campus der Alanus Hochschule 122 Studentenappartements errichtet – in Holzbauweise und mit einer 900 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage auf den Dachflächen, im Ergebnis maximal energiesparend.

Wie wichtig war die Unterstützung durch die BEG?

Bezahlbaren Wohnraum ohne Förderprogramme wie „Bauland an der Schiene“ zu schaffen, ist für Investoren kaum noch möglich: Bauland ist rar, Förderrichtlinien sind kompliziert, allein die Ausschreibung für die Gewerke stellt immer wieder eine große Herausforderung dar. Bei diesem Projekt haben wir gemeinsam mit dem Architekten Joachim Kneutgen und seinem Architektenteam auf Augenhöhe mit den Expertinnen und Experten von BEG und NRW.URBAN und den Fachleuten in der Troisdorfer Stadtverwaltung zusammengearbeitet – das gute Ergebnis spricht für sich.

Unser Auftrag

Hier ist die NRW.URBAN GmbH & Co. KG  tätig für das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Ihre Kontaktpersonen

Carsten Kirchhoff, NRW.URBAN

Carsten Kirchhoff
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Fritz-Vomfelde-Straße 10
40547 Düsseldorf
Tel.: 0231 4341.272

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Thomas Machulla, NRW.URBAN

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