Der Arbeit gelingt es, von der städtebaulichen Setzung über den Ansatz des Prozessualen und des Urban Mining bis hin zu freiräumlichen und architektonischen Setzungen einen überzeugenden Beitrag zur komplexen Aufgabenstellung für den neuen Auftakt der Entwicklung Bürgewalds als Dorf der Zukunft zu leisten. Sie zeichnet sich durch eine gekonnte und dem Ort angemessene Zurückhaltung aus. Die Transformation der Kirche wird durch eine minimalistische Ausformulierung mit einem leicht geschwungenen Gründach, einem fein gegliederten Auflager auf der Mauerkrone sowie einem in Proportion und Anmutung angemessenen Erweiterungsbau sichtbar. Die ursprüngliche Formgebung der Kirche bleibt erhalten, wird durch das neue Gründach ergänzt und bleibt weiterhin ein identitätsstiftendes Gebäude. Aus Sicht des Denkmalschutzes ist die Positionierung des eingestellten Kubus kritisch, da sie die Erlebbarkeit des Kirchenraumes beschneidet.
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STUDIO-MRA mit Lohrberg StadtLandschaftsarchitektur, Stuttgart
Ungewöhnlich ist der Umgang mit den drei Bestandsgebäuden. Zum einen werden die später entstandenen Anbauten zurückgebaut und dadurch die historische Grundform betont bzw. gestärkt. Zum anderen wird perspektivisch das Pfarrhaus abgebrochen und durch ein modernes Zukunfts-Werkstatt-Gebäude im Pavillonstil ergänzt. Die geänderte Positionierung schafft einen räumlich sehr ansprechenden Kreativhof, der hohe Nutzungs- und Aufenthaltsqualitäten verspricht und gleichzeitig eine selbstverständliche Vernetzung zwischen dem südlich gelegenen Dorfgarten und dem nördlich positionierten Dorfzentrum vermittelt.
Die bestehende Leichenhalle wird zu einer Werkhalle transformiert und kann somit das bestehende Raumvolumen – ohne größere Grundrissänderungen – nutzen. Der neu positionierte Werkhof wird infrastrukturell an die westlich gelegene Straße angebunden und ermöglicht so eine nicht störende Andienung. Die Nutzungsaufteilung der vier Gebäudeteile erscheint sinnvoll, insbesondere mit dem Café im Zentrum des Ensembles, und ermöglicht eine Außengastronomie im Kreativhof. Die Eingriffe in die Grundrissstrukturen des Bestands beschränken sich auf den Einbau von Sanitär- und Lagerräumen nach dem Prinzip „Haus im Haus“. Die Einfügung der Sanitärboxen erscheint noch nicht abschließend gelöst.

Die Transformation der Kirche wird durch eine minimalistische Ausformulierung mit einem leicht geschwungenen Gründach, einem fein gegliederten Auflager auf der Mauerkrone sowie einem in Proportion und Anmutung angemessenen Erweiterungsbau sichtbar.

Lageplan

Grundriss Erdgeschoss

Das Pfarrhaus wird perspektivisch abgebrochen und durch ein modernes Zukunfts-Werkstatt-Gebäude im Pavillonstil ergänzt.
Im Rahmen der Freiraumkonzeption denkt die Arbeit klug und konsequent die Inhalte des dynamischen Masterplans für die Entwicklung Bürgewalds weiter und zeigt die großräumigen Bezüge zum Dorf, die übergeordneten Freiraumverbindungen mit Trittsteinbiotopen und begleitenden Baumreihen als Bestandteil der Grünverbindungen des Hambach-Loops. Sie macht Vorschläge für Räume, die das soziale Miteinander in der neuen Gemeinschaft fördern.
Anknüpfend an den Marktplatz im Norden öffnet sich der „Kirchhügel“ einladend an mehreren Stellen zur zukünftigen Dorfmitte. Der Höhenversprung wird durch zwei Treppenanlagen und zwei geschickt positionierte Rampen überwunden und endet am „Dorftreff“ mit dem einladenden Eingang zur Kirche. Die ehemaligen Stahlkirchenglocken werden in die nördlichen Treppenanlagen integriert.
Die Beton-Umfassungsmauer inklusive des Treppeneingangs ist Teil des denkmalgeschützten Ensembles. Die großzügige Eingangssituation des Entwurfs wird kritisch diskutiert, da in der vorgeschlagenen Form eine denkmalrechtliche Erlaubnis als schwierig gilt. Die östliche Treppe ist denkmalsensibel eingebracht. Die begleitende Baumreihe leitet durch einen unter ökologischen Aspekten gestalteten Freiraum an der Kirche vorbei zum „Kreativhof“, um den sich die „Dorfküche“ und die Werkhalle gruppieren, weiter in den Dorfgarten. Westlich der Werkhalle bietet der Werkhof Platz für experimentelles Arbeiten und „Werkeln“ in der Gemeinschaft. Der Abriss und Neubau des ehemaligen Pfarrhauses bieten die Chance, durch ein neues Gebäude auf notwendige Raumanforderungen zu reagieren und städtebaulich ein Gelenk zu den Mobilitätsscheunen auszubilden.
Im Süden wird die Folge der Freiräume durch den Dorfgarten abgeschlossen, der in die freie Landschaft überleitet. Eine weitere vorgeschlagene Gemeinschaftseinrichtung stellt eine „Dorfsauna“ dar, welche das Angebot für die neue Gemeinschaft ergänzt. Der Anspruch der Arbeit an ökologische Freiräume ist hoch. Noch fehlen Aussagen zum Regenwassermanagement, zur Blauen Infrastruktur und zur Bedeutung der Freiräume für die Tierwelt.
Neben den städtebaulich-freiraumplanerischen Setzungen überzeugt die Arbeit auch durch ihre konzeptionellen Ansätze. Zum einen soll der Bestand sensibel sichtbar gemacht und instand gesetzt werden, zum anderen geht es darum, nach dem Prinzip des Urban Mining und ReUse möglichst viele Materialien in den Transformationsprozess zu integrieren. Das Denken in zirkulären Phasierungen, das Lernen im Prozess und der Wissenstransfer bei der Weiterentwicklung des Projekts greifen neue Aspekte des Bauens auf, die einen wesentlichen Beitrag zur räumlichen Entwicklung des Zukunftsdorfes Bürgewald leisten und die Ästhetik zirkulären Bauens erproben.
Ein abschnittsweises Realisieren des Konzepts ist möglich. Insbesondere kann in einem ersten Realisierungsbauabschnitt das Pfarrhaus erhalten werden. Die Entwurfsverfasserinnen und -verfasser lassen eine wirtschaftliche Realisierung und einen wirtschaftlichen Betrieb der Liegenschaften erwarten. Insgesamt handelt es sich um einen Beitrag mit vielen innovativen Ansätzen bei gleichzeitig hohen räumlichen und funktionalen Qualitäten.