2. Preis

Wandel Lorch Götze Wach GmbH, Frankfurt mit Topotek 1 GmbH, Berlin

Die Verfasserinnen und Verfasser entwickeln das Areal in zwei kontrastierenden Teilräumen: Im nördlichen Bereich zur Dorfmitte hin entsteht eine gepflasterte, streng orthogonal gegliederte Struktur, auf der die revitalisierten Gebäude auf einem steinernen Plateau stehen. Die bestehenden südlichen Gebäude werden durch den Rückbau der beiden Anbauten des Pfarrheims und ein neues, maßstäblich passendes Gebäude miteinander verbunden. Der so gebildete T-förmige Baukörper gliedert die Außenbereiche in gut proportionierte Teilräume.

Eine großzügige Treppenanlage bildet das Entrée im Norden und leitet auf die Platzfläche. Diese Treppenanlage wird kontrovers diskutiert: Einerseits schafft sie eine großzügige, einladende Öffnung, andererseits orientiert sie sich nicht zur Dorfmitte, sondern zur Straße und zu einem gegenüberliegenden Gebäude. Die Beton-Umfassungsmauer inklusive des Treppeneingangs ist Teil des denkmalgeschützten Ensembles. Die großzügige Eingangssituation des Entwurfs wird kritisch gesehen, da in der vorgeschlagenen Form eine denkmalrechtliche Erlaubnis als schwierig gilt. Der barrierefreie Zugang ist zwar funktional über eine Rampe gewährleistet, deren Lage am westlichen Rand zwischen zwei Mauern wird jedoch kritisch hinterfragt.

Der südliche Bereich steht im deutlichen Kontrast dazu: Er ist landschaftlich geprägt und durch eine dichte Baumstellung gegliedert. Die Plandarstellung des Freiraums bleibt jedoch schematisch und zeigt keine klar erkennbaren Nutzungsstrukturen. Die gewünschte Durchwegung in Nord-Süd-Richtung ist durch die T-förmige Gebäudestellung sehr eng. Mit der durchgängigen Pflasterung im nördlichen Teil weist der Entwurf zudem einen hohen Versiegelungsgrad auf, was im Hinblick auf Ökologie und Versickerung kritisch gesehen wird.

Eine großzügige Treppenanlage bildet das Entrée im Norden und leitet auf die Platzfläche.
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Die Raumwirkung im Inneren gelingt sehr gut – sie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen sakraler Anmutung und profaner Nutzung, wobei alte und neue Strukturen klar unterscheidbar bleiben.

In der ehemaligen Kirche wird ein gut und flexibel nutzbarer Versammlungsraum mit ausreichender Größe und den notwendigen Nebenräumen angeboten. Die Raumwirkung im Inneren gelingt sehr gut – sie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen sakraler Anmutung und profaner Nutzung, wobei alte und neue Strukturen klar unterscheidbar bleiben. Der Kirchenbau wird nach Westen erweitert, die Kubatur des ursprünglichen Raumes jedoch beibehalten. Die ursprüngliche Westwand ist architektonisch integriert. Die äußere Erscheinung lebt vom Kontrast zwischen Alt und Neu. Die mit Keramikplatten versehenen Oberflächen wirken modern, werden hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit aber kritisch diskutiert.

Die Raumorganisation des T-förmigen Gebäudes ist gelungen. Durch die offene Grundrissstruktur des Zwischenbaus sind flexible Belegungen und Nutzungszuordnungen möglich. Der transparente Zwischenbau fungiert als überdachter Freiraum, der die Hofflächen beidseitig miteinander verbindet. Er fügt sich maßvoll zwischen die Bestandsgebäude ein und korrespondiert mit dem Foyer des Versammlungsraums in seiner transparenten Fassadenstruktur. Die Schriftinstallationen am Gebäude und am Turm werden als auffällig und städtisch wahrgenommen, was teils kontrovers diskutiert wird.

Im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit sind die überdurchschnittlich großen Verkehrsflächen, das ungünstige A/V-Verhältnis sowie der hohe Glasflächenanteil anzumerken.

Der Entwurf schafft ein markantes architektonisches Zeichen für die neue Dorfmitte. Hinsichtlich Materialwahl und Freiraumgestaltung bleibt die Arbeit eher konventionell. Die Adresse an der Dorfmitte leitet mit der großen Geste der Eingangstreppe repräsentativ und einladend auf die öffentliche Platzfläche. Die Stärke des Entwurfs liegt in der Gebäudelösung, die aneignungsfähige und gut nutzbare, flexible Räume bietet, sowie in der architektonischen Erscheinung, die im „Ort der Zukunft“ ein prägnantes Zeichen setzt.

Erläuterungsbericht
Präsentationspläne
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