3. Preis

Thomas Hammer Architekten mit STADT RAUM PLANUNG, München

Der architektonische Entwurf zeichnet sich durch einen behutsamen Umgang mit dem Bestand aus, der sich auf wenige, gezielte Gesten beschränkt und die Aneignung des Raums als „Ort der Zukunft“ durch offene, mehrfach nutzbare Flächen ermöglicht. Robustheit und Offenheit prägen den besonderen Eindruck dieses konzeptionellen Ansatzes. Das Raumprogramm wird in den unterschiedlichen Gebäuden untergebracht. Der ehemalige Kirchenraum wird zu einem zurückhaltenden, aber ansprechenden Veranstaltungsraum umgenutzt, der durch eine neue Öffnung zur Westseite die Möglichkeit eines hellen Foyers oder eines abtrennbaren kleineren Saals bietet. Dadurch entsteht eine behutsam gesetzte, helle und einladende Geste. Der Veranstaltungsraum überzeugt durch große innenräumliche Qualitäten. Eine puristische, klar ablesbare Tragkonstruktion überdacht den ehemaligen Kirchenraum in überzeugender Weise und verleiht ihm eine warme Holzästhetik. Im Kontext des Umbaus bedeutet die große Öffnung nach Westen allerdings den Verlust einer historischen Mauer, was aus Sicht des Denkmalschutzes kritisch bewertet wird. In der Abwägung wird jedoch positiv hervorgehoben, dass der Entwurf die ursprüngliche Kubatur des Kirchenbaus bewahrt.

Die klar organisierten Grundrisse, ergänzt durch wenige präzise Eingriffe, ordnen alle Funktionen übersichtlich an. Die einladende Anordnung der Räume schafft es, den Bestand zeitgemäß weiterzudenken und an heutige Anforderungen anzupassen. Die Arbeit überzeugt durch ihr sensibles und zugleich funktionales Wechselspiel zwischen den überformten Bestandsgebäuden und dem Freiraum. So kann dieser Entwurf durchaus als Ausgangspunkt für einen neuen, zukunftsweisenden Ort dienen.

Robustheit und Offenheit prägen den besonderen Eindruck dieses konzeptionellen Ansatzes, das Raumprogramm wird in den unterschiedlichen Gebäuden untergebracht.
Der ehemalige Kirchenraum wird zu einem zurückhaltenden, aber ansprechenden Veranstaltungsraum umgenutzt, der durch eine neue Öffnung zur Westseite die Möglichkeit eines hellen Foyers oder eines abtrennbaren kleineren Saals bietet.
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss

Die Freiraumgestaltung gliedert sich in zwei Teilbereiche mit unterschiedlichen Qualitäten und Nutzungen. Der im Norden angelegte Freiraum besteht aus einer großzügigen, urbanen Platzfläche, die multifunktional als Dorfplatz genutzt werden kann und gleichzeitig das verbindende Element zum rückwärtigen Gebäudeensemble bildet. Der hohe Versiegelungsgrad, die geringe Innovationskraft und die eher undifferenzierte Gestaltung werden jedoch kritisch angemerkt. Die neue Rampen- und Stufenanlage schafft eine großzügige und barrierefreie Eingangssituation.
Die Beton-Umfassungsmauer inklusive des Treppeneingangs ist Teil des denkmalgeschützten Ensembles. Auch hier wird die großzügige Eingangssituation des Entwurfs kritisch diskutiert, da in der vorgeschlagenen Form eine denkmalrechtliche Erlaubnis als schwierig erscheint.

Der östlich hinter der Kirche vorgesehene Bereich wird als Obstgarten mit Versickerungsmulden intensiv begrünt und bildet einen klaren Kontrast zur befestigten Platzfläche. Die Lage des angrenzenden Spielplatzes und Schulgartens zwischen der Kirche und dem ehemaligen Pfarrheim wird positiv bewertet, da sie eine hohe Spiel- und Aufenthaltsqualität erwarten lässt. Der im Süden angelegte Bürgergarten ist als ruhiger Aufenthaltsort zurückhaltend gestaltet und orientiert sich an den Bestandsstrukturen. Die Erreichbarkeit und Anbindung im Quartier über lediglich zwei schmalere Wege werden jedoch kritisch gesehen, insbesondere aufgrund der Positionierung der Pkw- und Fahrradstellplätze sowie der Erweiterung der Bestandsgebäude. Insgesamt weist der Freiraum attraktive Bereiche auf, wird jedoch aufgrund des hohen Versiegelungsgrades im Hinblick auf Zukunftsfähigkeit und Klimaresilienz kritisch diskutiert.

Erläuterungsbericht
Präsentationspläne
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