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Graue Energie: Hebel zu mehr Klimaschutz – Ein Fachbeitrag zum Bauen im Bestand

By 5. Oktober 2026Oktober 9th, 2026No Comments5 Minuten Lesezeit
Graue Energie: Hebel zu mehr Klimaschutz - Bauen im Bestand

Trotz Wohnungsnot stehen in Nordrhein-Westfalen zehntausende Wohnungen über längere Zeit leer. In ganz Deutschland, so auch in Nordrhein-Westfalen, ist seit der Covid19-Pandemie der Büroleerstand kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig suchen junge Unternehmen, Start-ups, Vereine und Kulturschaffende bezahlbare Räume. Diese Gemengelage verdeutlicht: Der Bedarf an Gebäuden, die an die Konzepte des New Work angepasst sind, sowie die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum und Räumen für gemeinwohlorientierte Nutzungen können nicht allein durch Neubauten gedeckt werden. Das Bauen im Bestand gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. Hinzu kommt: Elf Prozent der globalen CO₂-Emissionen entstehen laut einer Studie des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung bei der Baustoff-Herstellung. Wir ringen in Nordrhein-Westfalen, aber auch bundesweit, um das Erreichen der deutschen Klimaziele. In Anbetracht der Klimakrise muss der Markt für klima- und ressourcenschützende Bauweisen wachsen. Wir bei NRW.URBAN unterstützen Städte und Gemeinden bei vielen Projekten, die eine nachhaltige Bestandsnutzung zum Ziel haben. Dabei geht es in den Projekten meist sowohl um die ökologische als auch um die soziale Nachhaltigkeit.

Natürlich ist nicht jede Brachfläche unmittelbar für eine Wohnbebauung geeignet. Doch deren systematische Prüfung und Ertüchtigung gilt als ein wesentlicher Baustein nachhaltiger Siedlungsentwicklung. Gleichwohl gelangen bei Weitem nicht alle Flächen auf die Prioritätenliste vor Ort. Unsere These: Die Ursache findet sich weniger im Fehlen von Instrumenten, sondern in Lücken innerhalb der Prozesskette. Flächenaktivierung gelingt vor allem dann, wenn Konzeption und Kommunikation, Planung und Umsetzung aus einer Hand begleitet werden.

Den Lebenszyklus von Gebäuden analysieren

In die Bestandsaufnahmen, die unsere Expertinnen und Experten von NRW.URBAN begleiten, fließen deshalb sogenannte Lebenszyklusanalysen ein. Wir ermitteln, wie viel „graue Energie“ in einem Gebäude steckt, was ein Neubau an grauer Energie verschlingen würde und wie effizient ein Umbau umgesetzt werden kann. Lebenszyklusanalysen sind auch geeignet, spätere Förderungen und ordnungsrechtliche Anforderungen an den Ergebnissen der Untersuchungen auszurichten.

Als graue Energie wird die Primärenergie bezeichnet, die erforderlich ist, um ein Gebäude zu errichten. Sie umfasst die Energie für die Gewinnung von Materialien, die Herstellung und Verarbeitung von Bauteilen, den Transport von Maschinen, Bauteilen und Materialien zur Baustelle, den Einbau von Bauteilen in das Gebäude sowie deren spätere Entsorgung. Durch die Verwendung heimischer Materialien und durch ressourcenschonendes Bauen lässt sich die im Gebäude verbaute graue Energie minimieren. Diese schlägt sich in einer entsprechenden Menge an CO₂-Emissionen nieder.

Wann ist Weiterbauen sinnvoll?

Nicht bei jedem Gebäude ist ein Umbau sinnvoll. Wenn die tragende Grundsubstanz eines Gebäudes gesund ist, die Statik eine Raumaufteilung für die geplante Nutzung erlaubt und die Lage überzeugt, rentiert sich der Weiterbau in der Regel. Wo Stützraster, Deckenlasten oder Geschosshöhen nicht zur geplanten Nutzung passen, stößt der Umbau an bauliche Grenzen. Die Umwandlung von Büro- in Wohnraum scheitert häufig an der Gebäudetiefe, am mangelndem Lichteinfall und der Lage der Steigstränge für Ver- oder Entsorgungsleitungen. Schadstoffe wie Asbest, PCB oder künstliche Mineralfasern in Beständen der 1960er- und 1970er-Jahre können die Sanierung teurer machen als einen Neubau, und eine energetische Ertüchtigung ist nicht in jedem Fall wirtschaftlich. Auch die Anforderungen an den Brand- und Schallschutz können bei einer Umnutzung zu zusätzlichen baulichen Maßnahmen und damit zu höheren Kosten führen.

Die härteste Grenze ist jedoch der Markt: Leerstand ist nicht gleichbedeutend mit Nachfrage. In strukturschwachen oder schrumpfenden Lagen fehlt nach einem Umbau häufig die Nutzungsperspektive. Dort ist eine Umnutzung nicht das Mittel der Wahl, ein Rückbau kann die ehrlichere Option sein.

Aussagekräftige Daten ermitteln

Damit Städte und Gemeinden ein aussagekräftiges Fundament für eine Entscheidung im Umgang mit ihren Bestandsgebäuden erhalten, liefert NRW.URBAN im Rahmen von Treuhandverhältnissen oder Förderprogrammen fundierte Analysen. Das Ingenieurteam von NRW.URBAN aus dem Bereich Planung | Steuerung | Bau ist in unterschiedlichen Konstellationen im Rahmen dieser Projekte im Einsatz. Mit umfassendem Fachwissen und aufgrund von Erfahrungswerten, die über Jahrzehnte in Projekten in allen Regionen Nordrhein-Westfalens gewachsen sind, liefert es belastbare Ergebnisse: Wir koordinieren alle bautechnischen Untersuchungen in Vorbereitung der Entwicklung eines zukunftsweisenden Gesamtkonzepts und erstellen Machbarkeitsstudien für einen nachhaltigen Umbau, wir stimmen Konzepte mit den Denkmalschutzbehörden ab und unterstützen im Fördermittelmanagement, wir beschaffen Gutachten und steuern externe Ingenieurbüros.

Fazit: Ein Großteil der CO₂-Emissionen eines Bestandsgebäudes ist mit der Errichtung in die Atmosphäre gelangt – kein Bestandserhalt kann dies nachträglich einsparen. Entscheidend ist eine andere Rechnung: Wer ein Gebäude abreißt und ersetzt, gibt diese bereits „bezahlte“ Emission verloren und verursacht zusätzlich CO₂-Ausstoß für einen Neubau. Im Weiterbauen kann somit der Mehrwert fürs Klima liegen.

Stapel NRW.URBAN Journale 02/26

Dieser Artikel ist Teil des NRW.URBAN Journals 2/26.

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Ansprechpartner

Dirk Ebeling, NRW.URBAN

Dirk Ebeling
Planung | Steuerung | Bau

Revierstraße 3,
44379 Dortmund
Tel.: 0231 4341.210

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