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Rathausumbau mit Vorbildcharakter: Ein Bürgerzentrum für Aldenhoven

By 5. Oktober 2026Oktober 9th, 2026No Comments8 Minuten Lesezeit
Das Rathaus von Aldenhoven, wie es die Bürgerinnen und Bürger seit vielen Jahrzehnten kennen.

Projektrunde im Rathaus von Aldenhoven: Die kleine Landgemeinde im Rheinischen Revier plant Großes – den Umbau ihres Anfang der 1960er-Jahre erbauten Rathauses in ein Bürgerzentrum. Ein offener, einladender Ort soll entstehen, der vielfältige Angebote aus Verwaltung, Bildung und Kultur unter einem Dach vereint. „Vor Kurzem haben wir den Bauantrag bei der Kreisverwaltung Düren, die als Bauaufsicht agiert, eingereicht. Heute hat uns bereits die Eingangsbestätigung erreicht“, berichtet Ralf Claßen, seit 2014 Bürgermeister von Aldenhoven. Aldenhoven befindet sich mit dem Ende der Braunkohlenverstromung bereits im zweiten Strukturwandel. Die Steinkohlenzeche Emil Mayrisch vom Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) im Ortsteil Siersdorf war von 1938 bis 1992 der größte Arbeitgeber, sie galt zeitweise als eine der modernsten Schachtanlagen Europas.

„Bis zu 5.000 Menschen arbeiteten auf der Zeche, mit der Schließung 1992 begann der erste Strukturwandel und ein Niedergang der Gemeinde“, sagt Claßen. Gewerbesteuer blieb aus, Spenden und Sponsorings versiegten, das Gemeinwesen litt. „Das hat auch zu einer Politikverdrossenheit geführt, die bis heute zu spüren ist. Mit dem zweiten Strukturwandel, verursacht durch den Niedergang der Braunkohle, wollen wir vieles besser machen.“ Die Unterstützung von Bund und Land helfe dabei: Über das Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen, das die Bundesregierung 2020 auf den Weg gebracht hat, stehen für die nachhaltige Transformation des Rheinischen Reviers bis 2038 mehr als 14,8 Milliarden Euro aus Bundes- und Landesmitteln zur Verfügung. Mit diesem Geld werden nicht nur Projekte finanziert, die Ersatzarbeitsplätze schaffen; für die Menschen vor Ort sind solche Vorhaben, die die soziale Infrastruktur und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, mindestens ebenso wichtig.

Interviewtermin im Rathaus Aldenhoven
Interviewtermin im Rathaus Aldenhoven
Interviewtermin im Rathaus Aldenhoven

Der Entwicklung Rechnung tragen

Dank einiger Neuansiedlungen der vergangenen Jahre wächst die Gemeinde wirtschaftlich, Menschen ziehen wieder zu. Also braucht es auch mehr Infrastruktur und Angebote für die Menschen, die hier leben. So hat sich die Gemeinde entschlossen, ihr in die Jahre gekommenes Rathaus nicht nur für den Verwaltungsbetrieb zu sanieren, sondern für die Bürgerschaft zu öffnen. Damit werden Funktionen und Angebote für die Bürgerschaft an einem Ort gebündelt – eine zentrale und einladende Anlaufstelle für alle. Die Sanierung und Weiterentwicklung des alten Verwaltungsgebäudes zu einem modernen, multifunktionalen Bürgerhaus hat die Gemeinde mit Unterstützung von NRW.URBAN über die Tochtergesellschaft Starke Projekte GmbH auf den Weg gebracht. Der Verwaltungstrakt wird komplett saniert und erneuert, der ehemalige Ratssaal mit weiteren Räumen weicht einem neuen Anbau, in dem die Polizeidienststelle, Vereine, ein Jugendzentrum und die Volkshochschule untergebracht werden – im Erdgeschoss entsteht ein multifunktionaler Veranstaltungsraum, der Vereinen und Gemeinderat gleichberechtigt zur Verfügung steht. Durch ein intelligentes und effizientes Raum- und Nutzungskonzept können Flächenbedarfe eingespart werden: Einzelne Räume werden zu unterschiedlichen Tageszeiten von unterschiedlichen Nutzenden in Anspruch genommen. Insgesamt steht für den Gemeinbedarf ebenso viel Platz zur Verfügung wie für die Verwaltung.

Die Strukturwandelmanager Bastian Breuer (l.) und Christina Breuer (r.) testen mit Bürgermeister Ralf Claßen ein Schallschutzsofa im Musterbüro.
In Aldenhoven kümmern sich unter anderem Christina Breuer (r.) und Bastian Breuer (l.) um das Strukturwandelmanagement. Sie testen mit Bürgermeister Ralf Claßen ein Schallschutzsofa im Musterbüro.

Höchste ökologische Standards einhalten

Ein Um- und Anbau mit Vorbildcharakter ist hier geplant, der zeigt, wie höchste ökologische Standards und Nutzungsflexibilität mit dem Erhalt und der sorgfältigen Weiterentwicklung der Architektur aus den 1950er- und 1960er-Jahren verbunden werden können. „Die Architektur des Rathauses in Aldenhoven ist typisch für öffentliche Gebäude der ersten Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine äußerst materialsparende Konstruktion ist für uns gleichzeitig Herausforderung und Inspiration“, sagt Architekt Matthias Tscheuschler. In der Nachkriegszeit habe man aufgrund des Zeitdrucks und der Materialknappheit äußerst ressourcenschonend gebaut. „Diese Philosophie des Bauens leitet uns heute wieder, allerdings zeitgemäß.“ Gemeinsam mit seinem Bruder Philipp Tscheuschler leitet Matthias Tscheuschler das Büro TPMT Architekten, das in Aldenhoven die Generalplanung übernimmt und weitere Projektpartner steuert, darunter die Landschaftsarchitekten vom Büro Glaßer und Dagenbach. Bauen im Bestand ist ein wichtiges Thema für beide Büros. Matthias Tscheuschler: „Es macht uns einfach viel Spaß, uns mit Gebäuden, die schon lange da sind und vielfältige Funktionen erfüllt haben, zu beschäftigen. Auch wenn das im Detail oft viel anspruchsvoller ist als das Planen auf einem weißen Papier.“

Beim Rathausbau in Aldenhoven wurde einst sehr sparsam mit dem Material umgegangen. „Eine sehr intelligente Konstruktion mit wenig Beton und speziell ausgetüftelten konstruktiven Anschlüssen“, erklären die Architekten. So ist das Gebäude einerseits Vorbild für heutige Konstruktionen, gleichzeitig aber auch Herausforderung für die Sanierung, weil es jegliche bauphysikalische Fragestellung ausklammert. Christina Breuer bestätigt: „Mangels Dämmung und aufgrund der Einfachverglasung ist es im Innern im Winter kalt und im Sommer heiß.“ Die Trägerstruktur erhält nun eine zeitgemäße Dämmung, ohne die prägende Schlankheit der Stützen völlig zu umbauen. Gern hätte das Architekturteam auch eine schöne Wendeltreppe im Foyer des Gebäudes erhalten. Doch nicht nur Materialien, auch Flächen sind wertvolle Ressourcen – an ihrer Stelle entstehen demnächst vier Räume.

”Die äußerst materialsparende Konstruktion des Gebäudes aus der Nachkriegszeit ist gleichzeitig Herausforderung und Inspiration.

Matthias TscheuschlerTPMT Architekten
Interviewtermin im Rathaus Aldenhoven
David Liepold, NRW.URBAN
Fotos: Martin Steffen
Aldenhovens Bürgermeister Ralf Claßen

Hell und multifunktional planen

Der Entwurf für den Verwaltungstrakt des Gebäudes entfernt sich von einer strengen Behörden-Typologie. Es entstehen Anlaufpunkte für alle Nutzenden – für Besucherinnen und Besucher, Akteure der Vereine und auch Begegnungsflächen für die Mitarbeitenden der Verwaltung. Durch transluzente Wandteile und Türen soll Tageslicht in möglichst alle Räume dringen. Philipp Tscheuschler: „Transluzent, aber nicht transparent. Denn es braucht in einer Behörde auch diskrete Räume für datengeschützte Amtsvorgänge, es braucht Einzelbüros für Führungskräfte und Rückzugsräume für Mitarbeitende, die konzentriert Vorgänge bearbeiten wollen.“ Dem Modewort New Work stehen die Architekten kritisch gegenüber. Es sei wichtig, Räume zu schaffen, die den Bedürfnissen der dort arbeitenden Menschen angepasst sind. Dies sei nachhaltiger, als einem Trend zu folgen.

Im Sinne der Nachhaltigkeit des Gebäudes ist Flexibilität ein wichtiger Faktor – sowohl in der geplanten Nutzung als auch in weiterer Zukunft. Sollten die Anforderungen an das Gebäude in zehn oder zwanzig Jahren völlig andere sein, ist eine bauliche Umstrukturierung im Innern nahezu problemlos möglich. Bastian Breuer: „Aldenhoven kämpft mit vielen Funktionsschwächen im innerstädtischen Bereich. Indem wir dieses zentrale Gebäude so attraktiv und offen gestalten, stärken wir auch das Zentrum von Aldenhoven. Wir schaffen einen Anker im Kern des Orts, von dem aus sich weitere Entwicklungsmaßnahmen anschließen können.“

Die Planungen verdeutlichen, wie das architektonische Konzept den Bedürfnissen der unterschiedlichen Nutzergruppen gerecht wird. „Basis dafür lieferte eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der Gemeinde Aldenhoven, durchgeführt vom Planungsbüro Assmann aus Dortmund. Eine Bedarfsanalyse führte zu den Funktionsvorgaben für das Raumprogramm“, erläutert David Liepold von NRW.URBAN und in der Starke Projekte GmbH tätig. Das schematische Layout gab vor, welche Nutzergruppen welchen Bedarf zu welchen Tageszeiten an Räumlichkeiten haben und welche anderen Nutzergruppen sich damit kombinieren lassen.

”Diese Herangehensweise finden die Menschen aus Aldenhoven toll, weil es ihr Bürgerhaus ist. Das Alte wird neu, aber anders – energetisch innovativ und nachhaltig.

Ralf ClaßenBürgermeister von Aldenhoven

Identifikation schaffen

Christina Breuer: „Um die Nutzergruppen zu definieren und anschließend die genauen Vorgaben für die Machbarkeitsstudie liefern zu können, hatten wir rund drei Dutzend Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen aus der Bevölkerung zu Gast. Wir haben freie Gespräche geführt, aber auch Vorgaben gemacht. Von Anfang an war allen Beteiligten klar, dass wir Räume auch multifunktional zur Verfügung stellen wollen, dass Räume im Sinne der Nachhaltigkeit möglichst durchgehend von vielen genutzt werden sollen.“

Das Architektur- und Landschaftsarchitekturteam zieht alle Register, was moderne Bauphysik und Baustoffforschung betrifft. Nicht nur von den Engagierten in Aldenhoven, auch von vielen Einwohnerinnen und Einwohnern bekommt das Projekt Rückenwind. Ralf Claßen: „Diese Herangehensweise finden die Menschen aus Aldenhoven toll, weil es ihr Bürgerhaus ist. Das Alte wird neu, aber anders – energetisch innovativ und nachhaltig.“

Offen und einladend: Das Rendering des Büros TPMT Architekten zeigt, wie das zukünftige Bürgerzentrum aussehen wird.

Offen und einladend: Das Rendering des Büros TPMT Architekten zeigt, wie das zukünftige Bürgerzentrum aussehen wird.

Stapel NRW.URBAN Journale 02/26

Dieser Artikel ist Teil des NRW.URBAN Journals 2/26.

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Ansprechpartnerin

Ulrike Holtel, NRW.URBAN

Ulrike Holtel
Konzepte | Entwicklung

Hansaallee 299,
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Tel.: 0211 54238.232

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