In der ehemaligen Paulusschule in Bergheim-Niederaußem entsteht in den kommenden Jahren ein barrierefreies und multifunktionales Zentrum, das künftig Raum für Begegnung, Bildung, Kultur und Integration bietet. Das „Haus der Vielfalt“ soll ein Ort für Menschen aller Generationen werden und insbesondere Kindern und Jugendlichen neue Möglichkeiten für Begegnung, Bildung und Teilhabe eröffnen. Mit der Übergabe des Förderbescheids durch Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, ist der Weg für die weitere Entwicklung des ehemaligen Schulgebäudes geebnet. 24,2 Millionen Euro Förderung fließen damit aus dem Fördertopf des Stadtentwicklungsprogramms „Rheinisches Revier der Zukunft“ ins Stadtsäckel.
„Gelungener Strukturwandel wird häufig ausschließlich an den Arbeitsplätzen gemessen, aber ein solches Projekt, das von enormer Bedeutung für das Gemeinwesen ist, ist ebenso wichtig. Es muss Orte geben, an denen Gemeinschaft entstehen und wachsen kann. Der mittelbare Beitrag zum Strukturwandel darf nicht unterschätzt werden“, sagt Ulrike Holtel, Projektleiterin bei NRW.URBAN und für die Tochtergesellschaft Starke Projekte GmbH tätig. Gemeinsam mit David Liepold, ebenfalls bei NRW.URBAN, und weiteren Fachkolleginnen und -kollegen hat sie einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Voraussetzungen für die Förderung zu schaffen. „Der Strukturwandel im Rheinischen Revier stellt die Kommunen vor riesige zusätzliche Aufgaben, über die Starke Projekte GmbH unterstützen und beraten wir die Fachabteilungen der Verwaltung“, sagt Holtel. Auch wenn es um das Fördermittelmanagement geht, fehlen häufig Kapazitäten. Da sind die Teams von NRW.URBAN ein wichtiger Partner, damit Verfahren schnell und rechtssicher abgewickelt werden können.
Als Generalplaner für das Projekt hat sich in einem EU-weiten Vergabeverfahren, durchgeführt durch die Kreisstadt Bergheim in Zusammenarbeit mit der Starke Projekte GmbH, das Büro Gerber Architekten (Hauptsitz Dortmund/Standort Düsseldorf) durchgesetzt.
Fotos: Franklin Berger
”Der Strukturwandel im Rheinischen Revier stellt die Kommunen vor riesige zusätzliche Aufgaben, über die Starke Projekte GmbH unterstützen und beraten wir die Fachabteilungen.
Ulrike HoltelNRW.URBAN
Nachhaltigkeit als roter Faden
In den Zusammenhalt der Menschen vor Ort zu investieren, das ist vor dem Hintergrund einer langfristig teilhabenden und handlungsfähigen Gesellschaft ein wichtiger Aspekt von Nachhaltigkeit. Vor allem aber auch bei der baulichen Umsetzung sowie bei der Sanierung eines Bestandsgebäudes aus den 1970er-Jahren spielt die Nachhaltigkeit eine führende Rolle. Das zirkuläre Bauen zieht sich als roter Faden durch die gesamte Planung und Umsetzung. Sämtliche Planungsentscheidungen werden unter diesem Gesichtspunkt betrachtet. Die Projektsteuerung Hitzler Ingenieure begleitet den gesamten Entwicklungs- und Realisierungsprozess im Rahmen eines kontinuierlichen Monitorings zur Qualitätssicherung: angefangen von einem Pflichtenheft „Nachhaltigkeit“ im Zuge der Planung, über eine bauteilscharfe Betrachtung zum CO2-Ausstoß und den darin enthaltenen Umweltauswirkungen, die Unterstützung bei Ausschreibungen hinsichtlich der Zielsetzungen Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Materialgesundheit, bis zu stichprobenhaften Überprüfungen der Einhaltung der Produktanforderungen vor und während der Ausführungsphase.
Von außen wirkt das Schulgebäude aktuell wenig attraktiv, im Inneren entfaltet sich jedoch die klug durchdachte Lichtführung und Raumaufteilung.
Von den Erfahrenen lernen
Beim Umbau soll der offene Charakter der Architektur beibehalten werden, im Hinblick auf die energetische Sanierung des Gebäudes müsse die Fassade allerdings komplett erneuert werden. Damit das markante kubische Erscheinungsbild erhalten bleibt, planen die Architektinnen und Architekten eine sogenannte Vorhangfassade. Auch um den Anforderungen der Barrierefreiheit gerecht zu werden, sind Veränderungen notwendig: Ein Personenaufzug sowie eine weitere Treppenverbindung sind geplant. Neben der energetischen Ertüchtigung des Gebäudes wird es begrünte Dachflächen, eine Photovoltaikanlage sowie Maßnahmen zur Entsiegelung der Außenflächen geben. Das Klima im Gebäude soll zukünftig über eine Zisterne mit Eisspeicher gesteuert werden. Das Team von Gerber plant auch die umgebenden Freiräume: In einer Hoflage entsteht ein Bereich für vielfältige Aktivitäten, vor allem für Kinder und Jugendliche, in einem weiteren Hof ein Ort der Ruhe und Kontemplation, alles in städtebaulich integrierter Lage an der Schnittstelle zwischen Niederaußem und Oberaußem. Hier plant die Kommune zudem ein neues Stadtteilzentrum mit Nahversorgung und Mehrgenerationenwohnen.
”Neben der energetischen Ertüchtigung des Gebäudes wird es begrünte Dachflächen, eine Photovoltaikanlage sowie Maßnahmen zur Entsiegelung der Außenflächen geben.
Melis FanGerber Architekten
Vom Aschenputtel zur Schönheit
Noch ist die ehemalige Schule ein Aschenputtel. Die Schönheit des Gebäudes entfaltet sich erst auf den zweiten Blick. Für viele Bergheimerinnen und Bergheimer hat das Gebäude aber hohes Identifikationspotenzial und mit einem Abriss gingen ein Teil Stadtgeschichte und Raum für Engagement verloren. Deshalb hat sich die Stadt Bergheim schon vor Jahren für das Weiterleben des Objektes entschieden. Gemeinsam mit NRW.URBAN und der Tochtergesellschaft Starke Projekte GmbH konnte die Kommune ihr Konzept schärfen und den Förderantrag auf den Weg bringen.
Grün statt Beton für Spiel, Aufenthalt und Begegnung: So könnten die entsiegelten Höfe rund um das Haus der Vielfalt zukünftig aussehen. Visualisierung: Gerber Architekten
Die nächsten Schritte
Jetzt müssen zunächst Schadstoffe wie zum Beispiel belastete Fugenmaterialien entfernt und die betreffenden Fenster, Wand- und Bodenflächen saniert werden. Das Vermessungsteam präzisiert die Aufrisse und Baupläne, denn das vorhandene Planmaterial entspricht – wie bei Gebäuden dieses Alters häufig der Fall – wahrscheinlich nicht dem aktuellen Zustand des Gebäudes. Das Architekturbüro startet mit der Ausführungsplanung und bringt parallel alle notwendigen Ausschreibungen für die einzelnen Gewerke auf den Weg. Als Erstes wird der Rohbau wiederhergestellt, dafür stehen eine Betonsanierung sowie Arbeiten an Fenstern und Dächern an. Ulrike Holtel: „Die Bauarbeiten sollen noch 2026 beginnen. Die Fertigstellung des Hauses der Vielfalt ist für das erste Quartal 2029 vorgesehen, die Inbetriebnahme soll 2029 erfolgen. Das ist schon ein recht sportlicher Zeitplan!“
Dieser Artikel ist gekürzt, die vollständige Version finden Sie im NRW.URBAN Journal 2/26.
Ansprechpartnerin
Ulrike Holtel
Konzepte | Entwicklung
Hansaallee 299,
40549 Düsseldorf
Tel.: 0211 54238.232