BeitragKonzepte | EntwicklungPlanung | Steuerung | BauProjektmanagement

Gebaute Transformation – Fünf Orte, an denen lebendige Räume entstehen

By 26. Juni 2026Juni 29th, 2026No Comments6 Minuten Lesezeit
Historisches Empfangsgebäude des Wuppertaler Hauptnahnhofs

Am 27. und 28. Juni 2026 findet in Nordrhein-Westfalen erneut der Tag der Architektur statt. Die Veranstaltung der Architektenkammer NRW macht zeitgenössische Architektur erlebbar und rückt die Ideen und Konzepte hinter Bauprojekten in den Mittelpunkt. In diesem Jahr öffnen landesweit 141 Projekte in 76 Städten und Gemeinden ihre Türen.

Der Aktionstag erinnert daran, wie stark die gebaute Umwelt unseren Alltag prägt: Sie schafft Räume zum Arbeiten, Lernen, Leben und Begegnen. Sie prägt Stadtbilder, fördert nachhaltige Entwicklung und kann Identität stiften. 

Auch wenn unsere Projekte nicht Teil des offiziellen Besichtigungsprogramms sind, nehmen wir den Tag der Architektur gerne zum Anlass, auf Orte zu blicken, an denen aus schwierigen Flächen lebendige Räume geworden sind. Unsere Rolle liegt dabei nicht im einzelnen Gebäude – das entwerfen die beauftragten Architekturbüros, sondern in der Transformation davor und drumherum: Flächen aktivieren, Konversion steuern, Planungsverfahren organisieren, Nutzungen ermöglichen. Genau das macht aus einem ehemaligen Stahlwerk, einer Zeche oder einem in die Jahre gekommenen Empfangsgebäude einen Ort mit Zukunft. Unser Anspruch ist, gemeinsam mit Kommunen und Partnern lebendige Räume zu schaffen. Einige dieser Orte lassen sich frei besichtigen, andere zumindest von außen.  

PHOENIX West, Dortmund 

Architektur: Diverse

PHOENIX West zählt zu den eindrucksvollsten Beispielen für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Auf dem Gelände eines ehemaligen Stahlwerks ist ein moderner Technologie- und Dienstleistungsstandort entstanden, der heute innovative Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Dienstleistungen beherbergt. Gleichzeitig bleibt die industrielle Vergangenheit des Areals sichtbar und prägt bis heute den Charakter des Areals.

Das Herzstück bildet das denkmalgeschützte Hochofenensemble, das gemeinsam mit der PHOENIX Halle, historischen Industrieanlagen und markanten Infrastrukturbauwerken eine unverwechselbare Kulisse schafft. Zwischen den Relikten der Stahlproduktion haben sich moderne Büro- und Forschungsgebäude angesiedelt, die einen spannenden architektonischen Kontrast zwischen Industriegeschichte und Zukunftstechnologien schaffen. 

Plätze, Grünflächen und Pocket Parks, Brückenbauwerke, Freitreppen und ein dichtes Wegenetz verbinden die historischen und neuen Elemente miteinander. So ist ein Ort entstanden, der industrielle Identität bewahrt und gleichzeitig Raum für Innovation, Arbeiten und Begegnung bietet. 

Ein besonderes Highlight ist der Skywalk, der über die ehemalige Trasse einer Gichtgasleitung des Hochofenwerks führt. Heute können Besucherinnen und Besucher ihn bei einer geführten Tour entlanglaufen und die Aussicht genießen.

Mehr dazu
Blick auf Phoenix-West in Dortmund
Bild: Johannes Kaßenberg
Eine Menschengruppe steht vor der ehemaligen Kirche in Bürgewald.
Bild: Binh Tran

Ehemalige Kirche St. Lambertus, Bürgewald (Gemeinde Merzenich)

Architektur: STUDIO-MRA, Lohrberg StadtLandschaftsarchitektur 

Kaum ein Projekt steht so sinnbildlich für den Wandel im Rheinischen Revier wie die ehemalige Kirche St. Lambertus in Bürgewald. Nach ihrer Entweihung im Jahr 2019 und den schweren Brandschäden von 2023 soll das historische Bauwerk zu einem neuen Ort der Begegnung, Kultur und Gemeinschaft werden – und zum Herzstück der zukünftigen Dorfentwicklung. 

Besonders spannend ist die Verbindung von historischer Bausubstanz und zeitgenössischer Architektur. Während Turm und Außenmauern erhalten bleiben, wird die Kirche für neue Nutzungen weiterentwickelt und gemeinsam mit Pfarrhaus, Pfarrheim und dem ehemaligen Friedhof als Dorfgarten einen neuen gemeinschaftlichen Mittelpunkt bilden. Bestehende Architektur wird bewahrt und für die Anforderungen der Zukunft neu interpretiert.

Mehr dazu

Quartier Graf Bismarck, Gelsenkirchen

Architektur: Diverse

Auf dem Gelände der früheren Zeche Graf Bismarck ist ein urbanes Quartier am Rhein-Herne-Kanal entstanden, das Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Natur miteinander verbindet. Aus einer Industriebrache wurde ein Stadtteil mit hoher Aufenthaltsqualität. 

Seinen besonderen Charakter erhält das Quartier durch das Zusammenspiel von Architektur, Landschaftsplanung und Wasser. Die Marina, die Uferpromenade, Grünflächen und öffentliche Plätze schaffen eine hohe Lebensqualität und machen das Wasser zum prägenden Gestaltungselement des gesamten Areals. Gestalterische Leitlinien und ein eigener Gestaltungsbeirat sorgen dafür, dass sich die unterschiedlichen Neubauten zu einem harmonischen Gesamtbild zusammenfügen. 

Die behutsame Transformation der ehemaligen Industriefläche respektiert die Geschichte des Standorts und entwirft ein zukunftsfähiges Quartier am Wasser.

Mehr dazu
Hafenquartier Graf Bismarck Gelsenkirchen, Fotograf: Christoph Kniel
Bild: Christoph Kniel
Historisches Empfangsgebäude des Wuppertaler Hauptnahnhofs
Bild: Stefan Klink

Hauptbahnhof Wuppertal

Architektur: ursprünglich Moritz Karl Ernst Hoffmann, Umbau/Sanierung: FSA Architekten

Kein Ort ist so alltäglich wie ein Bahnhof, und kaum einer so sichtbar für eine ganze Stadt. Das Empfangsgebäude des Wuppertaler Hauptbahnhofs am Döppersberg gehört zu den ältesten Großstadtbahnhöfen Deutschlands: ein klassizistischer Quaderbau von 1848/50 mit viersäuligem Portikus, seit 1990 denkmalgeschützt. Im Zuge der Neugestaltung des Döppersbergs wurde der nüchterne Flachdachanbau der 1960er-Jahre entfernt und die historische Fassadenlinie wiederhergestellt. 

Für die Zukunft des Gebäudes hat die BahnflächenEntwicklungsGesellschaft NRW (BEG) gemeinsam mit der Deutschen Bahn und der Stadt Wuppertal ein zweistufiges Investorenauswahlverfahren konzipiert und durchgeführt. Maßgeblich war dabei ein tragfähiges Konzept: Die Bewerber mussten Referenzen, ein Nutzungskonzept und Planungen vorlegen. Den Zuschlag erhielt ein bestands- und denkmalorientierter Entwurf. In den Erdgeschossen sind Gastronomie und Dienstleistungen vorgesehen, in den Obergeschossen Büro- und Praxisflächen. 

Hier wird greifbar, was Bahnflächenentwicklung leistet: Ein denkmalgeschütztes Gebäude in prominenter Lage erhält eine tragfähige neue Nutzung – als Baustein der Gesamtentwicklung am Döppersberg und als Tor zur Stadt.

Mehr dazu

Annapark Alsdorf

Architektur: Diverse; Energeticon: pbs architekten 

Nach rund 150 Jahren Bergbau wurde die Grube Anna 1992 stillgelegt – zeitweise die größte Kokerei Westeuropas, mitten in Alsdorf. Auf etwa 40 Hektar in unmittelbarer Innenstadtlage lag damit das wichtigste Stadtentwicklungsareal der Stadt brach. Seit 1995 entwickelt NRW.URBAN das Gelände als Treuhänderin des Grundstücksfonds NRW gemeinsam mit der Stadt Alsdorf: Altlasten sanieren, Flächen neu ordnen, denkmalgeschützte Bergbaugebäude erhalten und Bauland vermarkten.

Entstanden ist ein gemischtes Quartier aus Wohnen, Gewerbe, Bildung und Freizeit rund um den rund elf Hektar großen Anna-Park. Der Park liegt auf der gesicherten Fläche der ehemaligen Kokerei – die Altlast wurde so vom Hindernis zum hochwertigen öffentlichen Freiraum. 

Architektonisches Herzstück ist das Energeticon: Das denkmalgeschützte Fördermaschinenhaus von 1870 wurde von pbs architekten zu einem Energieerlebnismuseum und Veranstaltungsort umgebaut, der die historischen Maschinen in die neue Nutzung einbindet. Wer den Blick über das Areal sucht, kann das 45 Meter hohe Fördergerüst bei Führungen besteigen.

Mehr dazu
Bild: Johannes Kaßenberg

Gebaute Transformation 

Die vorgestellten Orte könnten unterschiedlicher kaum sein: ein ehemaliges Stahlwerk, eine umgenutzte historischen Kirche bis hin zu einem Bahnhof. Gemeinsam ist ihnen jedoch ein Anspruch, der weit über das reine Bauen hinausgeht: Aus belasteten oder brachliegenden Flächen werden Orte, an denen Menschen arbeiten, ankommen und zusammenkommen. Unser Beitrag zum Tag der Architektur ist nicht das spektakuläre Einzelobjekt, sondern die Transformation, die es trägt.

Kommentar verfassen