
Fotos: Martin Steffen
NRW.URBAN begleitet Mönchengladbach bei mehreren wegweisenden Projekten, so auch bei der Modernisierung des Hauptbahnhofs im Rahmen von „Schöner ankommen“ sowie bei der Transformation der ehemaligen Trabrennbahn durch die Landesinitiative „Go4Gewerbe“. Beide Projekte stehen exemplarisch für eine Stadt, die aktiv an ihrer Zukunft arbeitet – als Ort zum Leben und als Wirtschaftsstandort. Das NRW.URBAN-Journal traf sich mit Claudia Schwan-Schmitz, Technische Beigeordnete der Stadt Mönchengladbach, und Henk Brockmeyer, Geschäftsführer von NRW.URBAN, zu einem Rundgang durchs Bahnhofsviertel. Auch die Planungen zum Areal der ehemaligen Trabrennbahn reflektierten die beiden Kooperationspartner.
Mönchengladbach hat in den vergangenen Jahren an Profil gewonnen – wirtschaftlich, kulturell, städtebaulich. Wie würden Sie den Charakter der Stadt beschreiben, und wie spiegelt sich das in Ihren Stadtentwicklungsprojekten wider?
Claudia Schwan-Schmitz: Wenn man das Selbstbild unserer Stadt auf einen Satz verdichten müsste, könnte man sagen: Mönchengladbach ist eine vielfältige und wandelbare Stadt mit starkem Traditionsbewusstsein. Ich erlebe Mönchengladbach als eine unglaublich offene und liebenswerte Stadt, die von innovativen Projekten und von einem starken Unterstützungsgedanken ihrer Bürgerinnen und Bürger geprägt ist.
Woran wird das sichtbar?
Claudia Schwan-Schmitz: An zahlreichen Entwicklungsprojekten in den Siedlungsschwerpunkten Gladbach und Rheydt, aber auch in den vielen Stadtteilen und kleinen Ortschaften. Dort wird immer wieder deutlich, dass sich Unternehmerinnen und Unternehmer, aber auch zivilgesellschaftliche Initiativen proaktiv einbringen, um eine moderne Stadtentwicklung, die Mobilität, Digitalisierung und neue Zukunftsbranchen nach vorne bringt, zu unterstützen. Auch hier im Bahnhofsumfeld erleben wir das: Nachdem die Kommune den Busbahnhof neugestaltet und aus dem Platz der Republik einen Ort mit Aufenthaltsqualität gemacht hat, läuft jetzt die Bahnhofssanierung an. Gleichzeitig rückt die Hindenburgstraße als Verbindung vom Hauptbahnhof zum Alten Markt in den Fokus. Zur Entwicklung des Alten Markts haben wir ein sehr gutes Wettbewerbsverfahren durchgeführt, den oberen Bereich der Hindenburgstraße wollen wir nun auch attraktiver gestalten, später im Sinne einer Gesamtentwicklung auch den unteren Bereich. Dafür benötigen wir nicht nur weitere Fördermittel, sondern auch die Unterstützung der Gladbacherinnen und Gladbacher und der Immobilieneigentümerinnen und -eigentümer. Und von diesem Akteurskreis haben schon viele die Bereitschaft signalisiert zu unterstützen.
Henk Brockmeyer: Genau um solche Effekte geht es uns als unterstützende Landesgesellschaft auch: Wir setzen treuhänderisch verwaltetes Geld ein und stellen Know-how zur Verfügung, damit Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen ambitionierte Entwicklungsprojekte durchführen können. Wir setzen aber auch darauf, dass, wenn solche Impulse im öffentlichen Raum gesetzt sind, Eigentümerinnen und Eigentümer, Investorinnen und Investoren und Bürgerschaft aktiv werden. Wir stellen immer wieder fest: Sind städtebauliche Missstände beseitigt, folgen auch private Investitionen und bürgerschaftliches Engagement. Das ist hier in Mönchengladbach gut gelungen. Nur ein Eigentümer muss noch mit ins Boot geholt werden, der leider eine besonders prägnante Immobilie besitzt.
Claudia Schwan-Schmitz: Ja, das sogenannte „Haus Westland“ direkt gegenüber dem Busbahnhof. Es ist ein imposanter Bau, aber leider komplett marode und vom jahrelangen Leerstand gezeichnet. Wir hoffen sehr, dass wir in naher Zukunft eine Lösung finden.

Die Silhouette des sogenannten „Haus Westland“ ist beeindruckend – die Stadt arbeitet an einer Lösung, wie es mit dem vom Leerstand gezeichneten Gebäude weitergehen muss.
”Der neue Bahnhof wird einen Impuls für das gesamte Quartier setzen können.
Claudia Schwan-SchmitzTechnische Beigeordnete Stadt Mönchengladbach

Claudia Schwan-Schmitz und Henk Brockmeyer nehmen die Unterführung zu den Gleisen in Augenschein.
Ein Bahnhof ist das Erste, was Besucherinnen und Besucher von einer Stadt sehen, und oft auch das Letzte. Welches Bild soll der Hauptbahnhof künftig vermitteln? Was sagt dieses Projekt über den Anspruch der Stadt an sich selbst?
Claudia Schwan-Schmitz: Das Programm, das uns gemeinsam mit den verantwortlichen Unternehmen der Deutschen Bahn AG den Bahnhofsumbau ermöglicht, heißt „Schöner ankommen in NRW“. Wir möchten, dass die Menschen nicht nur einen guten Eindruck beim Ankommen haben, wir möchten, dass sie sich willkommen fühlen. Es ist wissenschaftlich erforscht, dass sich Menschen innerhalb von Sekunden – teilweise Millisekunden – einen ersten Eindruck von ihrem Gegenüber, aber auch von Gebäuden, Unternehmen und Städten verschaffen. Dies gilt natürlich auch für einen Bahnhof und den Bereich der Stadt, den Reisende als Erstes sehen. Dass man sich an einem sicheren und sauberen Ort befinden möchte, versteht sich hierbei von selbst. Aber wir wollen mehr: Der Hauptbahnhof Mönchengladbach soll in Zukunft das ausstrahlen, was er schon zum Zeitpunkt seiner Errichtung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts getan hat, als er zu den bedeutenden Verkehrsbauten der Region zählte: Die weit gespannte Bahnsteighalle vereinte die Ambition der frühen Moderne, Mobilität, Technik und Urbanität in einem repräsentativen Bauwerk. Diese städtebauliche Präsenz in einem modernen Umfeld mit dem neuen Busbahnhof soll wieder in neuem Glanz erstrahlen: Wir schaffen einen hochmodernen Mobilitätsknotenpunkt mit einem gestalterisch innovativen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in einem bald umfassend sanierten historischen Gebäude mit attraktiven Nutzungen und hoher Aufenthaltsqualität.
Die Basis für die Bahnhofsentwicklung bildet das Landesprogramm „Schöner ankommen in NRW“. NRW.URBAN ist im Rahmen des Programms für das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein- Westfalen tätig. Welche Aufgaben übernimmt NRW.URBAN und wie kooperiert die Landesgesellschaft mit der Stadt?
Henk Brockmeyer: Im Rahmen des Programms entwickeln wir für Empfangsgebäude im Eigentum der DB InfraGO AG gemeinsam mit den Kommunen eine Perspektive für die technische Sanierung, die gestalterische Aufwertung, die städtebauliche Entwicklung sowie die Reduzierung des Leerstands und setzen so wichtige Impulse für die Entwicklung der Bahnhofsquartiere. Hier in Mönchengladbach haben wir die Bestandsaufnahmen sowie die Schadstoff- und Bauteiluntersuchungen abgeschlossen, Teile der Fassade wurden geöffnet. Jetzt werden wir die Leistungsphasen 1 bis 3 für den Umbau in drei Szenarien vergeben. Parallel erarbeiten wir mit der Kommune und der Deutschen Bahn verschiedene Betreiber- und Nutzungskonzepte. Diese umfassen auch Flächen, die an das Bahnhofsgebäude grenzen, zum Beispiel eine Hoflage zwischen Bahnhof und einem Parkhaus. Das Grundstück hat die Stadt mit planerischem Weitblick bereits erworben. Diese Erweiterungspotenziale sind wertvoll, einerseits für die technischen Einrichtungen eines modernen Bahnhofs, andererseits auch für zukünftige Betreiber. Wir planen, Flächen, die heute untergenutzt sind, neu zu dimensionieren und bestehende Flächen neu aufzuteilen. So schaffen wir eine neue Qualität – sowohl baulich als auch das Angebot an die Reisenden betreffend.
Welche konkreten Veränderungen planen Sie rund um den Hauptbahnhof und im Gebäude selber? Was werden die Menschen am und um den Hauptbahnhof erleben – und wann?
Claudia Schwan-Schmitz: Nachdem wir uns eingehend mit der Bausubstanz beschäftigt haben, gehen wir jetzt zahlreiche Aufgabenpakete bezüglich des konkreten Umbaus an. Als zweite wichtige Säule arbeiten wir derzeit an einem ganzheitlichen Nutzungskonzept für das Gebäude. Alle Bürgerinnen und Bürger wünschen sich eine Öffnung auf den Bahnhofsvorplatz, gerne mit einer Gastronomie. Daneben möchten wir einen Gemeinbedarfsanteil im Gebäude möglich machen. Es gibt nämlich noch zahlreiche sehr schöne Räumlichkeiten im Bahnhof, die wir nutzen könnten, um das Gebäude über die Reisefunktion hinaus zu beleben. Zum Beispiel gibt es in Mönchengladbach eine sehr aktive Künstlerschaft, in der bildenden Kunst, aber auch Musikerinnen und Musiker oder Aktive aus dem soziokulturellen Bereich. Diese Ideen haben wir unter anderem in Workshops entwickelt, die übrigens von NRW.URBAN mit vorbereitet und begleitet wurden – eine hervorragende Herangehensweise. Auf der Grundlage all dieser Planungen entwickeln wir dann einen tragfähigen Vorentwurf, der dem Fördergeber Anfang 2027 vorgestellt werden kann.
Henk Brockmeyer: Die Tätigkeit hier in Mönchengladbach hat uns gezeigt, wie viel Potenzial allein die bauliche Hülle des Bahnhofs hat. Diese Hülle so zu füllen, dass sowohl die Reisenden als auch die Gladbacherinnen und Gladbacher davon profitieren, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Eine Aufgabe, die weder die Stadt mithilfe der Stadtgesellschaft noch die DB AG allein erfüllen kann und die eine koordinierende Kraft braucht. Diese Kraft ist NRW.URBAN. Wir kennen die Schnittstellen und bringen die Erfahrung mit. Wir haben in den vergangenen Jahren etliche Empfangsgebäude entwickelt. Häufig mit einem Eigentumswechsel von der DB in die kommunale Hand. Das ist für einen Bahnhof dieser Größe wie in Mönchengladbach natürlich nicht sinnvoll. Umso wichtiger ist es, dass es im Programm „Schöner ankommen in NRW“ in der Akteursgemeinschaft von Deutscher Bahn und Kommune mit Unterstützung von NRW.URBAN gelingt, Städtebaufördermittel zu aktivieren, die es nun ermöglichen, ganzheitlich zu planen und zu denken.

Die Veränderungen können so also noch besser ins Zentrum als „Quartier“ hineinwirken?
Claudia Schwan-Schmitz: Genau! Der neue Bahnhof wird einen Impuls für das gesamte Quartier setzen können. Er ist kein Solitär, sondern wie eingangs beschrieben ein wichtiger Baustein eines gesamtumfassenden Ansatzes. Aktuell läuft eine Vorbereitende Untersuchung für ein nahe gelegenes Sanierungsgebiet, um eine entsprechende Förderkulisse zu schaffen. 2023 hat die Stadt für das benachbarte Bürogebäude mit Parkhaus die Eigentumsrechte erworben, für den Bereich des ehemaligen „Haus Westland“ hat die Kommune einen Bebauungsplan zur Rechtskraft gebracht. Die Stadt hat sozusagen planerisch bereits alle Vorkehrungen getroffen. Als Planungsdezernentin hoffe ich natürlich darauf, auch in Zukunft auf diese verlässliche Unterstützung der Fördergeber bauen zu können, damit die begonnene Transformation der Innenstadt fortgeführt werden kann.
Wenn wir von ganzheitlichen Ansätzen sprechen und über die Grenzen der City hinausdenken, welche Bedeutung hat das Areal der ehemaligen Trabrennbahn für die Gesamtstrategie der Stadt?
Claudia Schwan-Schmitz: Die Stadt Mönchengladbach hat das Thema Gewerbeflächen sehr systematisch aufgearbeitet und 2023 ein nachhaltiges Gewerbeflächenkonzept aufgestellt. Daraus sind dann 14 priorisierte Flächen hervorgegangen, eine davon war das Gelände der Trabrennbahn, eine andere ein großes Konversionsprojekt. Mit dem Moratorium des Bundes im Oktober 2025, das auch die zivile Nachnutzung unserer Konversionsfläche, der ehemaligen Joint Headquarters, betraf, haben wir auf einen Schlag rund 60 Hektar Entwicklungsfläche verloren. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Gewerbeflächen in Mönchengladbach immens. Wir wollen nun den Bedarf durch ein interkommunales Gewerbegebiet, das wir übrigens auch mit NRW.URBAN über die Initiative „Go4Gewerbe“ angehen, und über die Entwicklung des Areals der ehemaligen Trabrennbahn decken. Kurz: Die Stadt prosperiert, die kommunalen Strukturimpulse wirken. Das beweisen auch die Zahlen. Im Dynamik-Ranking- Prozess des Instituts der deutschen Wirtschaft stehen wir inzwischen auf Platz zehn der Großstädte in Deutschland. Aber wir haben zu wenig Gewerbeflächen. Deswegen ist eine solche Schlüsselfläche wie die Trabrennbahn, die dazu noch direkt neben unserem Flughafen liegt, von besonderer Bedeutung.
Die Lage ist hervorragend, aber die Fläche selbst ist nicht ganz unproblematisch, oder?
Henk Brockmeyer: Die Bodenbeschaffenheit bezüglich verschiedener Entwässerungsthemen der Fläche ist herausfordernd. Sie baufertig zu machen, kann die Stadt allein nicht bewältigen und das würde aufgrund der Vorlaufzeiten und Risiken auch kein Investor übernehmen wollen. Es bedarf eines gesteuerten Entwicklungsimpulses, um sie für Investoren attraktiv zu machen. Dann wird sie aufgrund ihrer Lage für viele Ansiedlungen interessant sein. Die Investition der öffentlichen Hand über das Programm „Go4Gewerbe“ ist also sehr sinnvoll. Was wäre die Alternative? Das Flächenpotenzial in Mönchengladbach ist fast ausgereizt, aufs Greenfield wollen wir nicht gehen, und neue Ansiedlungen bringen Wirtschaftskraft. Also lieber mehr in eine vorgenutzte Fläche in bester Lage in Flughafennähe investieren, als diese Chancen verstreichen lassen.

Auf welche Leitbranchen fokussiert sich die Stadt Mönchengladbach?
Claudia Schwan-Schmitz: Mönchengladbach fokussiert sich auf Branchen, die einen hohen Wertschöpfungs-, Innovations- und Strukturwandelbeitrag leisten. Zu den wichtigsten gehören, anknüpfend an die Tradition, die Textil- und Bekleidungswirtschaft, aber auch Unternehmen aus dem Maschinenbau und der industriellen Produktion und die Luft- und Raumfahrtwirtschaft haben wir im Fokus.
Welche Ansiedlungen sehen Sie insbesondere für das Gelände der ehemaligen Trabrennbahn?
Claudia Schwan-Schmitz: Die ehemalige Trabrennbahn eignet sich aufgrund ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zum Flughafen Mönchengladbach als Entwicklungsfläche für Zukunftsbranchen, insbesondere aus der Leitbranche Aviation: für Luftfahrtunternehmen, Drohnenentwicklung oder Advanced Air Mobility. Ich sehe auch besondere Möglichkeiten in der Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft – in direkter Nähe befinden sich die Hochschule Niederrhein, die Textilakademie NRW und die Forschungs- und Innovationsnetzwerke des Rheinischen Reviers. Dadurch eignet sich die Fläche besonders für wissensintensive Unternehmen und wird eine hohe Innovationskraft entwickeln können.



Dieser Artikel ist Teil des NRW.URBAN Journals 1/26